Das Lübbecker Schützenwesen


Stadtherrschaft und Schützenmeister

 Stadtherrschaft in Lübbecke – Schützenmeister, Scheffer und Viertelherren

 

Von Helmut Hüffmann

 

Im Jahre 1608 erfassten die Lübbecke Schützenmeister und ihre Helfer, die Scheffer, bekannt als Bruchherren, das jedem Haus und jedem Hof innerhalb der Lübbecker Stadtmauern zustehende Eintriebsrecht für die städtischen Weiden. Jedem Bürgerhaus, jedem Adelshof wurde die Anzahl der Kühe zugeordnet, die eingetrieben werden durfte. Den Ratsherren, Schützenmeistern, Bruchherren, Geistlichen, dem Bürgermeister, Syndikus und Stadtsekretär wurden Sonderrechte zugebilligt. In einem dafür angefertigten Bürgerbuch und ließen die Schützenmeister die Haus- und Hofbesitzer namentlich verzeichnen.[1] Bürgermeister Peter Coele, Besitzer eines Burgmannshofes, hatte ein solches Verzeichnis verlangt, um nach vielen Streitfällen Rechtssicherheit zu erreichen. Ein Jahr zuvor, im Jahre 1607, hatte er die Rechte der Stadt allgemein, wozu auch Marken- und Bruchrechte gehörten, festschreiben lassen. Zahlreiche Zeugen waren befragt worden.[2]

 

Das Bürgerbuch war für fast zwei Jahrhunderte eine Art Grundbuch für die Eintriebsrechte der Bürger und des Adels. Das Buch zählt zwölf Adelshöfe auf, auch bekannt als Burgmannshöfe. Der Haddewig´sche Hof wird nicht genannt[3], weil er mit Weideland abgefunden worden war und auf Eintriebsrechte hatte verzichten müssen. Der Westrup´sche Hof wird zwar genannt, hatte jedoch kein Eintriebsrecht, weil er ebenfalls abgefunden worden war.

 

Die Bezeichnung „Burgmannshof“ geht auf die in der Stadt ansässigen Burgmannen zurück, auf deren militärische Schlagkraft der Mindener Bischof als Landesherr zurückgreifen konnte. Lübbeckes nächstgelegene landesherrliche Festung war die Landesburg Reineberg, wo auch die Lübbecker Burgmannen zu militärischen Diensten verpflichtet waren. Aus der militärischen Bastion auf dem Reineberg ging, nachdem sich die Mindener Bischöfe als Landesherren durchgesetzt hatten, das Verwaltungszentrum für das mindische Amt Reineberg hervor. Das Fürstbistum Minden entsprach in groben Zügen dem heutigen Landkreis Minden-Lübbecke.

 

Die schriftlichen Belege der Bruchherren, darunter auch das Bürgerbuch, wurden in der „Bürgerlade“, einer kastenförmigen Truhe[4], aufbewahrt. Die Bürgerlade wurde von einem der Bruchherren für jeweils zwei Jahre in Verwahr genommen, um danach einem anderen übergeben zu werden. Als es im Jahre 1763 zu einer Auseinandersetzung gekommen war, wer die Lade verwahren sollte, entschied man sich für das Losverfahren.[5] Zur Übergabe heißt es später: „1769 den 18ten januarii haben wir Vorstehers[6] die Bürgerlade von dem abgegangenen Bruchherrn Mencken abgelanget und den Bruchherrn Reinhart ins hauß gebracht. Johann Conrad Vordmeyer p. t. [pro tempore – derzeitiger] Schützenmeyster.“[7] Die Bürgerlade war nicht im Rathaus eingelagert. Darauf verweist ein ähnlicher Vermerk vom 10. Januar 1771 hin, der die Übergabe an den Bruchherrn Johann Conrad Vordmeyer festhält.[8] Die Schlüsselgewalt war eingeschränkt.[9] Die Schützenmeister besaßen den kleinen Schlüssel für das Vorhängeschloss. Sie konnten notfalls die Bürgerlade unter Verschluss nehmen.

 

Das Bürgerbuch, in einen ledernen Einband gefasst, umfasst 244 Blätter im Folioformat. Davon ist etwa die Hälfte beschrieben. Die ersten Blätter weisen an den unteren Rändern Brandspuren auf. Es liegt nahe, die Spuren für Relikte von Stadtbränden[10] zu halten. Die letzten Einträge mit Schäden am Schriftbild beziehen sich auf das Jahr 1759.[11] Der Brand kann daher nur nach diesem Datum das Bürgerbuch beschädigt haben. Der Stadtbrand von 1705 scheidet als Ursache der Brandschäden aus. Ob die Schäden auf den Stadtbrand von 1766 zurückgehen, kann vermutet werden. Damals wurde das Haus des Schützenmeisters Reinhart eingeäschert.[12] Die Brandspuren können auch einen einfachen Grund gehabt haben, falsche Lagerung am offenen Feuer im Kamin. Im Bürgerbuch selbst findet man keinen Hinweis auf die Brandursache und deren Spuren im Bürgerbuch.

 

Die im Bürgerbuch mehrfach erwähnten Schützenmeister und Scheffer gehörten zu einem Kreis von Männern, die städtische Aufgaben übernommen hatten. Um ihr Wirken und ihre Einordnung in die städtische Verwaltung verstehen zu können, soll der vorliegenden Darstellung eine kurze geschichtliche Einführung in die städtischen Verhältnisse vorangestellt werden. Seit dem frühen 16. Jahrhundert gab es in Lübbecke zwei Bürgermeister, einen adeligen und einen bürgerlichen. Diese Doppelspitze war aus den Auseinandersetzungen zwischen Adel und Bürgertum im frühen 16. Jahrhundert hervorgegangen, hat jedoch mit den religiösen Auseinandersetzungen der Zeit wenig zu tun. Ein selbstbewusstes Bürgertum verlangte seinen Anteil am Stadtregiment. Der adelige Ratsanteil betrug seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert sechs Sitze. Dem Bürgertum wurden in bescheidenem Maße, auch Ratssitze zugebilligt. Bis in das frühe 16. Jahrhundert verfügte das Bürgertum neben dem Adel über maximal drei Sitze.[13] Trotz des Widerstandes im Adel setzte das Bürgertum die Erhöhung seines Anteiles auf ebenfalls sechs Ratssitze durch. Die Vorherrschaft des Adels spiegelte sich in den städtischen Anordnungen und Beurkundungen wider. Sie begannen stets mit der Formel Wir Ritterschaft Bürgermeister und Rat. Vermittelnd tätig zwischen Bürgertum und Verwaltung waren die Schützenmeister. Letztere wurden auch Stadtvorsteher genannt. Schützenmeister und Scheffer waren Vorsteher der gesamten Bürgerschaft.[14] Die Anfänge ihrer Tätigkeit wie auch der Schützenfeste lassen sich nur vermuten. Sie dürften in das ausgehende 13. Jahrhundert fallen, als Lübbecke im Jahre 1279 durch den Mindener Bischof Volquin v. Schwalenberg zu Stadt erhoben worden war. Die Bezeichnung Wir Ritterschaft Bürgermeister und Rat erlosch 1807 nach Einführung einer Verwaltungsordnung nach französischem Muster im Königreich Westfalen. Die vermittelnde Position der Schützenmeister zwischen Bürgerschaft und Stadtverwaltung verlor danach immer mehr an Bedeutung.

 

Etwa die Hälfte des innerstädtischen Areals war kleinteilig vom Bürgertum besetzt, die andere Hälfte vom Adel und der Kirche mit zum Teil großzügig bemessenem Hofraum. Grundeigentümer im bürgerlichen Anteil war der Bischof von Minden. Die Burgmannshöfe waren zum größten Teil Lehngut aus der Hand der Mindener Bischöfe. Ein geringer Teil wurde vom Osnabrücker Episkopat vergeben. Der Stadtrat übte das Patronatsrecht über die St.-Andreas-Kirche aus. Er verwaltete das Kirchenvermögen und war damit Träger der Baulast. Bei der Besetzung der Pfarrstellen besaß er das Vorschlagsrecht. Ausgenommen vom städtischen Patronat war der Anteil der Stiftsherren. Ihnen gehörte der Chorbereich, der ihnen nach der Übersiedlung von Neustadt am Rübenberge nach Lübbecke im Jahre 1295 zugesprochen worden war.[15] Vier Stiftshöfe im Kirchenbereich waren im Besitz von sechs Stiftsherren. Davon war einer Dekan. Der Hof des Dekans entspricht dem heutigen Fachwerkgebäude Pfarrstraße 3. Das Ev. Alten- und Pflegeheim am Kirchplatz deckt heute das Areal von zwei Stiftshöfen ab. Der vierte Stiftshof lag an der Bergertorstraße dem heutigen Burgmannshof am Markt gegenüber.

 

 

Schützen, Bruchherren und Bruchzone

 

Die Bezeichnung Bruchherr leitet sich von der die Stadt umgebenden Bruchzone ab, wo die Schützenmeister und Scheffer ein uneingeschränktes Aufsichtsrecht über Feld, Wald und Flur ausübten. Sie sorgten für Ordnung. Wer Unkraut wuchern und Zäune verrotten ließ, wurde von den Schützenmeistern oder den Scheffern aufgefordert, Ordnung zu schaffen.[16] Auch die Waldungen des Wiehengebirges fielen unter ihre Aufsicht. Schützenmeister und Scheffer[17] waren für die Einhaltung der Bruchordnung zuständig. Sie kontrollierten den Vieheintrieb und achteten auf die Instandhaltung der Wege und Brücken, denn die Bruchzone nördlich des Wiehengebirges war von kleinen Bachläufen durchzogen. Darauf verweisen Flurbezeichnungen wie „Am kleinen Steg“ oder „Unter dem faulen Steg“.[18] Im Wiehengebirge und in kleinen Waldstücken wie der Hausstätte nahmen sie, die Schützenmeister und Scheffer, die „Holzrechte“ der Stadt wahr. Jeder Baumschlag benötigte ihre Zustimmung. Als der Buchbinder Viet im Jahre 1791 sein Haus an der Bäckerstraßestraße[19] abreißen und wieder aufbauen wollte, wurde ihm das Bauholz von den Bruchherren zugewiesen.[20] Ähnlich wurde mit dem Neubau des Bürgerhauses Schnare an der Niedernstraße verfahren, das am 28. Februar 1792 abgebrannt war.[21] Beiden, Viet und Schnare, wurde in der Hausstätte Bauholz angewiesen.

 

Die Schützenmeister hatten also entscheidenden Einfluss auf das Bauwesen der Stadt. Nach einem Inspektionsbericht der Regierung Minden vom 25. Oktober 1700 hatten die Bruchherren, Schützenmeister und Scheffer die inspection über Bruch, Feld und Berg.[22] Die Bruchzone entsprach in groben Zügen dem Stadtgebiet, wie es bis 1972 vor der Kommunalreform bestanden hatte. Versuche des Adels, die Tätigkeit der Bruchherren zu beeinflussen oder gar zu unterbinden, stießen sofort auf Abwehr. Innerhalb der Bruchzone wurde die freie Lübbecker Bürgerjagd ausgeübt, die immer wieder zu Auseinandersetzungen mit dem Adel führte.[23]

 

In der Auflistung im Bürgerbuch vom Jahre 1608 ist, wie schon gesagt, die Weideberechtigung für jedes Haus und jeden Hof festgeschrieben. Die gravamina der Stadt[24] berichten immer von einem freien Bruch, ähnlich der freien Lübbecker Mark außerhalb der Bruchzone, an der über 30 Bauerschaften und Dörfer nutzungsberechtigt waren.[25] Holzschlag und Weiderecht unterlagen in diesem weitläufigen Gebiet außerhalb der Bruchzone den Vorschriften der Lübbecker Stadtverwaltung. Die nutzungsberechtigten Bauern waren Zinspflichtige der Lübbecker Kämmerei. Bruch und Mark wurden selbstständig verwaltet. Landesherrlicher Einspruch wurde zurückgewiesen. Daraus resultierten zahlreiche Streitfälle mit dem landesherrlichen Drosten auf der Landesburg Reineberg vor den Toren der Stadt.

 

Im Norderbruch am Rahdener Weg lag ein stadteigener Meierhof, bekannt als Hansmühle.[26] Der Hof ist identisch mit dem heutigen Anwesen Telkemeier an der Rahdener Straße. Zum Hof gehörte früher eine Mühle, die Johannismühle. Der Besitzer, welchen Hausnamen er auch immer trug, war bekannt als der Hansmöller. Die Namensgebung leitet sich vom Apostel Johannes ab, der hier als Schutzheiliger anzusehen ist. Das Anwesen war umwallt und mit einem Wassergraben umgeben. Dazu gehörte ein städtischer Wachtturm, wie er in der Lübbecker Mark üblich war. Ein hofnahes Ackerstück hieß der tornkamp, der Kamp mit dem Turm. Dieser Turm diente auch der Überwachung des Bruches. Der Hof war der erste nördliche Außenposten der Stadt.[27]

 

Der Vieheintrieb in die städtischen Weiden war nach Würde und Stand differenziert. Gewöhnlich durfte jede bürgerliche Stätte 3 Kühe in die städtischen Weiden eintreiben. Dem Adel stand pro Hof der Eintrieb von 8 Kühen zu, dem bürgerlichen Bürgermeister 6 Kühe, den städtischen Beamten wie Sekretär und Syndikus 4 Kühe. Die Bruchherren samt Schützenmeister hatten Anspruch auf den Eintrieb von 4 Kühen. Die Anzahl von 4 Kühen stand auch den Höfen der Geistlichkeit zu. In diese Hierarchie gehörten die beiden Schützenmeister, die beim so genannten Vogelschießen erwählet wurden, das alle zwei Jahre am Donnerstag nach Johanni, dem 24. Juni[28], auf dem Weingarten[29] in der Nähe des Bürgerwalles vor dem Bergertor stattfand. Die Bezeichnung erwählet ist nicht wörtlich zu nehmen. Gemeint ist die Bestätigung im Amt eines Schützenmeisters, nachdem er sich als bester Schütze erwiesen hatte.

 

Zum Lübbecker Schützenwesen bemerkt das Westphälische Magazin zum Jahre 1783: „Merkwürdig ist noch folgende Gewohnheit der Lübbeker. Alle zwey Jahre haben die Bürger der Stadt ein Freyschießen und machen bey dieser Gelegenheit 2 Schützenmeister und jeder Schützenmeister wählet sich drey Schäffer zu Gehülfen. Diese 8 Personen müssen zwey Jahre lang auf Felder, Brüche und Berge Achtung geben. Kleine Verbrechen dürfen sie selbst bestrafen, aber wichtige Contraventionen müssen sie doch den Gerichten zu Bestrafung anzeigen.“[30] Die den Lübbecker Schützenmeistern und ihren Scheffern zugeordneten Aufgaben wurden nach Angaben des Magazins damals als eine Besonderheit angesehen.

 

Ein Schützenmeister ging aus der Kompanie der Bogenschützen hervor, ein anderer aus der Kompanie der Büchsenschützen. Jede Kompanie hatte ihre eigene Fahne[31], die je nach Bedarf ersetzt wurde. Berichte dazu sind im Bürgerbuch aufgezeichnet. Es wurde zwischen der weißen und der blauen Fahne unterschieden.[32] Es gab die Kompanie der Bogenschützen (Armbrustschützen) von der blauen Fahne und die Kompanie der Büchsenschützen von der weißen Fahne. Diese Trennung galt auch für die Offiziere der jeweiligen Kompanien, nämlich für Kapitän[33], Leutnant, Fähnrich und Unteroffizier. Daraus ergab sich auch die Schützenfolge der Bürgerhäuser. Die Bürger der geraden Hausnummern folgten der weißen Fahne, die der ungeraden Hausnummern der blauen Fahne.[34] Beim Schützenfest 1652 stellten die Bogenschützen ihre neue Fahne[35] aus silbergrauen doppelt tafft vor mit folgendem Dekor: Grüner Kranz und Bogen mit der Überschrift Floret antiqua Vetustas (Es blüht die alte Überlieferung). Beim Schützenfest im Jahre 1672 stellten die Büchsenschützen ihre neue Fahne von blomeranten[36] doppeltem Taft vor, die noch unfertig war und beim nächsten Schützenfest im Jahre 1674 als Dekor einen goldenen Kranz, mit Büchse und der Unterschrift Deus protector noster (Gott ist unser Schutzherr) trug.[37] Im Jahre 1681 stellten die Bogenschützen eine neue Fahne von Blömerandt doppeltem Taft mit den überlieferten Symbolen und Inschrift vor[38], die während des Stadtbrandes am 11. Oktober 1705 verbrannte. Zwei Jahre später war eine neue Fahne aus blauem Taft angeschafft [39] worden. Am 20. Juni 1711 präsentierten die Büchsenschützen wieder eine neue Fahne.[40] Am 26. Mai 1725 nahmen die Bogenschützen zwei von Schützenbrüdern gestiftete Kurzgewehre in Empfang.[41] Am 3. Juni 1733 erhielten die Bogenschützen wieder eine neue Fahne aus blauem Taft.[42] Im selben Jahr erhielten beide Kompanien erstmals eigene Trommeln. Im Jahre 1768 erhielt die Büchsenkompanie eine neue Fahne sowie neue Trommeln, Kurzgewehre und Spontone.[43] Fahne und Zubehör waren während des Stadtbrandes vom 12./13. Dezember 1766 im Hause des Fähnrichs Dietrich Henrich Pohlmann, wo sie eingelagert waren, ein Raub der Flammen geworden.[44] Zu den letzten Eintragungen im Bürgerbuch gehört eine Bemerkung zu den Schützenfahnen mit Bezug auf das Jahr 1806. Im Juni dieses Jahres wurden zwei neue Fahnen angeschafft, eine weiße für die Büchsenschützen und eine blaue für die Bogenschützen.[45] Um die Anschaffung der Fahnen finanzieren zu können, waren Bäume am Schützenwall und am Westerwall[46] verkauft worden.

 

Das Jahr 1806 markiert einen Bruch im Schützenwesen. Die Schützenfeste waren vorläufig ausgesetzt. Preußen war am 14. Oktober 1806 von Napoleons Armee bei Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen worden. Das Fürstentum Minden ging im von französischen Verwaltungsvorstellungen geprägten Königreich Westfalen auf. Der neue König hieß jetzt Jerôme, ein Bruder Napoleons. Die Schützenfeste hatten jetzt nur noch Erinnerungswert. Erst 17 Jahre später konnte am 29. Oktober 1823 wieder ein Scheibenschiessen stattfinden. Die Zeiten und auch die Lokalität hatten sich gründlich geändert. Schützenmeister und Scheffer hatten ihre alten Aufgaben abgeben müssen. In der Stadtchronik heißt es dazu: „Das erste Scheibenschiessen [fand 1823] nach 17 Jahren auf der Oster Haler Masch statt“.[47] Hauptmann Strubberg und Bäcker Osthoff waren Schützenkönige geworden.

 

Die Schützenfeste vor der „französischen“ Zeit waren traditionell geprägt. Nachdem die Schützenmeister erwählt und proklamiert worden waren, benannten sie ihre Scheffer. Jedem Schützenmeister standen, wie schon gesagt, drei Scheffer zur Seite. Wie im Namensvergleich festzustellen ist, waren die Schützenmeister nicht unerfahren in der Bruchaufsicht. Sie hatten als Scheffer bereits Erfahrungen sammeln können.

 

Nicht die Zählung der Häuser und Höfe war das eigentliche Anliegen der Auflistung im Bürgerbuch, sondern das Eintriebsrecht, die Khudrifft. Die Anzahl der auf die städtischen Weiden einzutreibenden Kühe gehörten zum festen Bestand der Höfe und Häuser. Einleitend heißt es im Bürgerbuch: „Eigentliche und klare Vortzeichnus wass fur Heusere in unser Statt Lubbeke, so mitt der Khuhdrifft in beiden freyen Brüchen, daß Oster: und Nedderbruch berechtigt, und wie viell Kühe von Jedem Hause getrieben werden.“ Bevor die Weiden geöffnet wurden, waren die Hirten „gemietet“[48] worden. Offene Arbeitsstellen für Hirten wurden im Gottesdienst nicht nur in Lübbecke, sondern auch in den umliegenden Kirchen bekannt gegeben. Schlafstellen boten die drei Hirtenhütten im Oster- und Niederbruch sowie auf der Masch.[49] Die Bürger waren verpflichtet, einen Beitrag zum Hirtenlohn zu bezahlen.

 

Um die Entlohnung der Hirten nicht zahlen zu müssen, ließen einige Bürger ihr Vieh von Schulkindern hüten, was den Unwillen des Magistrats hervorrief, weil es gegen die Regeln verstieß und die Kinder vom Schulunterricht fernhielt. Die Schützenmeister wurden angehalten, dass von Schulkindern gehütete Vieh einzutreiben und im Pfandstall solange zurückzuhalten, bis der Hirtenlohn bezahlt war.[50]

 

Die in dem Bürgerbuch zitierte Bruchordnung war am 29. Mai 1585 schriftlich fixiert worden. Vorausgegangen waren Auseinandersetzungen zwischen Adel und Bürgerschaft. Einleitend heißt es in der Bruchordnung: „Für Erst wollen Ritterschafft Bürgermeister und Raht, nach altem gebrauche, die Zwo persohnen auß ihren mitteln, und zwo persohnen auß der Borgerschafft, Zu Broockherrn erwehlen, und verordnen.“[51] Die hier angegebene Personenzahl weicht von der oben angegebene Zahl ab. Sie erklärt sich aus der Ämterverteilung. Mit den zwei Personen aus Ritterschaft, Bürgermeister und Rat, so die offizielle Bezeichnung der Stadtverwaltung, sind zwei Senatoren gemeint, die als Kämmerer fungierten. Mit den zwei Personen aus der Bürgerschaft sind die beiden Schützenmeister gemeint.

 

Was die Eintriebsrechte betraf, gab es jedoch Ausnahmen. Der Hof der adeligen Familie von Westrup besaß nach der Auflistung von 1608 kein Eintriebsrecht[52]. Es war zu einem nicht näher bekannten Streit gekommen. Ein Prozess war anhängig geworden, der 1627 noch nicht entschieden war.[53] Als die Liste im Mai 1647 wegen Veränderungen des Personenstandes revidiert werden musste, fügte Stadtkämmerer Anton Pohlmann der Liste eine Schlussbemerkung an, in der es heißt, dass der Familie von Westrup ein Zuschlag aus der Bruchzone im Niederfeld zugeteilt worden sei. Damit war sie offensichtlich entschädigt worden. Auf jeden Fall war der Streit beendet.

 

Auch die Familie von Haddewig, die wie die Familie von Westrup einen Burgmannshof besaß[54], war nach Pohlmanns Bemerkung entschädigt worden, und zwar schon zu Lebzeiten von Klaus von Haddewig, der 1591 hoch betagt gestorben war. In der Auflistung von 1608 ist der Haddewig´sche Burgmannshof in Lübbecke daher nicht aufgeführt. Klaus v. Haddewig war im Isenstedter Feld ein Stück Land, das neue Feld genannt, zugewiesen worden. Er hatte im Gegenzug der Bürgerschaft fünf kleine Stückes erblandes im Bruch übereignet und noch 50 Reichstaler draufgelegt. Wie der Kuhhandel zustande kam, lässt sich nur vermuten. Für die von Haddewig und auch für die von Westrup konnte ein Zuschlag aus der Bruchzone, der nicht unter die Aufsicht der Schützenmeister und Scheffer fiel, nur von Vorteil sein, weil die Hofbesitzer nicht mehr auf die Stückzahl des einzutreibenden Hornviehs Rücksicht nehmen mussten. Sie konnten auch mehr als 8 Kühe auf ihre Weide treiben lassen. Eine Aufsicht durch Schützenmeister und Scheffer entfiel. Strafmaßnahmen waren nicht zu befürchten.

 

Die durchlaufende Nummerierung der Besitzungen[55], die nicht mit den späteren Steuer- und Hausnummern identisch ist, weist Unregelmäßigkeiten auf. Es fehlt die Nummer 166. Auf die Nummer 269 folgt die Nummer 272. Wenig später folgt ein weiterer Bruch. Der Nummer 281 folgt die Nummer 290. Daraus ist nicht zu folgern, dass die Häuser nicht existierten. Diese Häuser besaßen kein Eintriebsrecht für ihre Kühe und wurden deshalb nicht verzeichnet. Alle berechtigten Häuser gehörten Vollbürgern, „so uff des rahtes buch eingeschrieben und an der strasse belegen“ waren. Nicht berechtigt waren die Schutzbürger, Heuersleute oder Heuerlinge, die irgendwo, häufig in Hinterhäusern, einen Unterschlupf gefunden hatten. Von ihrem kärglichen Einkommen hatten sie eine jährliche Schutzgebühr von wenigen Groschen zu entrichten. Alle untergeordneten Arbeiten wurden ihnen im Tagelohn zugeschoben. Sie waren, ob Mann oder Frau, Tagelöhner.

 

In der Auflistung von 1608 sind 289 bruchberechtigte Bügerhäuser, 12 Adelshöfe[56] und der Hof des Dekans am St.-Andreas-Stift aufgeführt. Letzterer, bereits erwähnt, lag südlich der Kirche vor dem Bergertor.[57] Wie bereits gesagt, ist der Haddewig´sche Hof in der Auflistung nicht aufgeführt, so dass mit 13 Adelshöfen zu rechnen ist. Genannt wird auch der Hof von Bürgermeister Peter Coele, gelegen im oberen Viertel der Stadt im Kirchenbereich. Es wird sich um den Burgmannshof vor dem Bergertor gehandelt haben, der später der Familie Finke gehörte.[58] Nicht genannt sind die Hinterhäuser, mögen es Ställe, Scheunen oder Abstellplätze gewesen sein. Auch hier hausten Bewohner, nämlich die aus der untersten Klasse der städtischen Gesellschaft. Nicht einzeln aufgeführt sind die vier Stiftshöfe.

 

Die Eintriebsrechte der privilegierten Personen und Höfe werden im Verzeichnis vorab in folgender Reihenfolge aufgeführt:

„Anno .1608. uffgesetzt Koye [Kühe]

Der Regierender Burgermeister so kein Borchman 6

Ein Radts Persohn 4

Der Statt Syndikus und Secretarius 4

Ein Volnkommener Borchmans Hoff

So in das bruch fullenkomblich berechtigt 8

Volgen die Geistlichen

Ein Jeder Volstendiger Geistlicher hoff 4

Jeder Pastor 4

Ein Jeder stehender Schützenmeister 4

Ein Jeder pro tempore Verordneter Bruchherr 4.“

 

Im Mai des Jahres 1647 wurde das Verzeichnis unter Kämmerer Pohlmann revidiert .[59] Die Revision ergab eine ernüchternde Bilanz. Ein Teil der bürgerlichen Stätten war mit dem Zusatz „desolirt, devastirt, öde, wüste, ruinirt“ versehen. Das bedeutete nichts anderes als unbewohnbar oder nicht mehr nutzbar. Einige Häuser waren ohne Rechtsnachfolger und keiner wusste, was mit ihnen geschehen sollte. Insgesamt wurden 25 nicht bewohnte Stätten bei der Revision gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges gezählt bei einem Gesamtbestand von 289 bürgerlichen Hausplätzen. Dabei sollte es nicht bleiben. Unter brandenburg-preußischer Regierung wurden weitere bürgerliche Stätten aufgegeben. Um 1700 waren 71 bürgerliche Hausplätze nicht besetzt oder zweckentfremdet.[60] Am 8. Februar 1707 wurden 274 Bürgerhäuser gezählt.[61] Straßen mit geschlossenen Häuserzeilen suchte man in Lübbecke vergeblich. Aus ehemaligen Wohnhäusern waren Scheunen und Ställe geworden. Wo einmal Häuser gestanden hatten, sah man jetzt Hausgärten oder Obstwiesen. Auch von einer Bleiche und einem Mistfall ist die Rede.[62] Einige Adelshöfe hatten benachbarte bürgerliche Grundstücke rechtswidrig ihren Höfen inkorporiert.[63] Auch Herren aus Rat und Verwaltung hatten sich bedient. Auf das ganze Stadtgebiet bezogen, gab es gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine wenig erfreuliche Bilanz hinsichtlich der Besitzverhältnisse. Nur ein Drittel der Feldflur gehörte den Bürgern, aber zwei Drittel dem Adel und dem Stift.[64]

 

Die Zählung im Bürgerbuch folgt der Vierteleinteilung und beginnt mit dem Viertel um Kirche und Rathaus. Im Uhrzeigersinn geht es weiter in das zweite Viertel, das mit Fünfhausen beginnt. Trennungslinie für die beiden oberen und die beiden unteren Viertel war die Lange Straße. Trennungslinie von Norden nach Süden war die Kreuzstraße (später Gerichtsstraße) und weiter fortlaufend der Scharrn in Richtung Markt. Durch die Vierteleinteilung war die Zahl der Häuser und Höfe weitgehend angeglichen und damit die Zahl des einzutreibenden Hornviehs. Falls erforderlich, wurden Änderungen vorgenommen und Häuser einem anderen Viertel zugeordnet, um so die Größe der Herden konstant zu halten. Die Weidegründe wiederum waren durch Gräben und Hecken abgeteilt, durften nicht überweidet werden und wurden erst nach einer Ruhezeit wieder geöffnet.

 

Die Schweinemast ist im Bürgerbuch nicht geregelt. Sie griff über die Bruchzone hinaus in die Lübbecker Mark. Die Anzahl der einzutreibenden Tiere hing vom Fruchtertrag ab, den Eichen und Buchen lieferten. Zur Mastzeit im Herbst wurden die Tiere auch in die Laubwaldungen des Wiehengebirges getrieben. Den vier Vierteln der Stadt wurden im Wechsel Teile des Bruchs, der Waldungen im Wiehengebirge und der Mark zur Mast zugewiesen.[65] Als die Bergteilung anstand und die Eintriebsrechte in Grundeigentum umgewandelt wurden, wurde dem Adel im Februar 1707 der Eintrieb von 8 Schweinen pro Hof zugestanden. [66] Ähnlich dürften die bürgerlichen Stätten berechnet worden sein. Der Eintrieb von Schweinen entsprach also dem der Kühe. Tatsächlich konnte der Eintrieb, wie schon gesagt, eingeschränkt werden. Gab es nur einen geringen Fruchtansatz bei Eichen und Buchen, dann wurde der Eintrieb reduziert.[67]

 

Jährlich gab es neue Verhandlungen wegen der Mast im Radischen Walde, einem Waldstück am nördlichen Rand des Bruches, das von der Stadt Lübbecke und dem Amt Rahden gemeinschaftlich bewirtschaftet wurde.[68] Lübbecke und Rahden übten hier gemeinsam das jus compascendi lignandi und pignorandi[69] aus. Jährlich wurde der Fruchansatz inspiziert. Danach wurde die Anzahl der einzutreiben Schweine für beide Seiten festgelegt. An den Verhandlungen zwischen Lübbecke und Rahden im Jahre 1669 waren auf der Lübbecker Seite auch die beiden Schützenmeister Wellinghoff und Kleffmann[70] mit einigen Scheffern beteiligt. Mit von der Partie waren die beiden Lübbecker Kämmerer, der Stadtsekretär sowie der Oberleutnant Fieselmeyer[71], der den Lübbecker Adel vertrat, um die Verhandlungen mit dem Rahdener Amtsschreiber und seinen Holzförstern zu führen.[72]

 

Nicht erwähnt im Bürgerbuch ist die Schaf- und Schweinehaltung. Einige Adelshöfe wie von Holle und von Barkhausen am Gänsemarkt oder von Grappendorf am Niederwall und von Sloen, gen. Gehle, am Markt besaßen Schafställe. Das Markengerichtsprotokoll von 1606 sprach den bevorrechtigten Adelshöfen und den Meierhöfen, die traditionsgemäß Schafe hielten, 80 Schafe zu.[73] Gewöhnlich wurden die mit Zäunen und Hecken umhegten Gärten und Äcker zu Mariae Verkündigung, dem 25. März, geschlossen, um Schäden von Schafen und Schweinen zu vermeiden.[74] Bei den Bürgergärten ging es vornehmlich darum, die Aussaat von Bohnen, Erbsen und Wicken[75] zu schützen. Die so genannte „Nachhude“ oder „Nachweide“ der Schafe und auch der Schweine nach der Erntezeit war auch zeitlich geregelt. Die Öffnung und Schließung der Weiden, Wiesen, Äcker und Gärten waren witterungsabhängig und wurden im sonntäglichen Gottesdienst bekannt gegeben.

 

Im Bürgerbuch ist eine Weide für Pferde nicht erwähnt. Der Pferdebestand war im Vergleich zum Hornvieh gering. Pferdehaltung war auf den Adelshöfen, bei den Fuhrleuten und den wenigen Ackerbürgern üblich. Pferdehaltung gab es seit dem frühen 18. Jahrhundert auf der Poststation im Venning´schen Burgmannshof am Markt. Im einfachen Bürgerhaus war dafür kein Platz. Nach der Bruchordnung durften Pferde nicht im Bruch weiden.[76] Eine Nachweide der Pferde nach dem Michaeltag, dem 29. September, auf die vor allem der Adel bestand, war umstritten.[77]

 

Da das Bruch von Bächen und Gewässern durchzogen war, ist davon auszugehen, dass hier auch Scharen von Gänsen unterwegs waren. In den Abrechnungen des Jahres 1682 wird die Gänsewiese genannt.[78] Von einem gose orth[79] ist die Rede.

 

Die Judenmasch am Rahdener Weg wird im Bürgerbuch nicht erwähnt. Die Juden waren rechtlich den Schutzbürgern, den Mietsleuten oder Heuerlingen, gleichgestellt.[80] Die Weide auf der Masch stand ihnen zur freien Beweidung zur Verfügung, vor allem genutzt von den jüdischen Schlachtern und Viehhändlern. Hier auf der Masch befand sich auch der Friedhof der jüdischen Gemeinde auf einer kleinen Insel in der sogenannten „Ovelgönne“, einem städtischen Fischteich.[81] Obwohl im Bürgerbuch nicht erwähnt, übten Schützenmeister und Scheffer in der „Judenmasch“ ein Aufsichtsrecht aus, denn die Stadt war Eigentümerin.[82] Für die Friedhofsinsel zahlte die jüdische Gemeinde ein jährliches Pachtgeld.[83]

 

Im Jahre 1787 setzte sich der Lübbecke Viehbestand, wie folgt, zusammen: 324 Kühe, 205 Rinder, 17 Ochsen, 69 Pferde, 195 Schweine, 233 Schafe, 127 Ziegen.[84] Die genügsamen Ziegen wurden in jedem bescheidenen Haushalt gehalten und dort geweidet, wo kein Widerstand zu erwarten war. Manchmal waren sie sogar erwünscht, um Graswuchs an Gräben und Straßenrändern kurz zu halten.

 

Bruchgeld und Bürgergeld

 

In der Zeit von 1680 bis 1727 erscheinen im Bürgerbuch jährliche Namenlisten mit den Namen der Bürger und Bürgerinnen, die ihr Bruchgeld entrichtet hatten. Die einmalige Zahlung war die Voraussetzung für den Eintrieb. Häufig wurde in Raten gezahlt. Für das Jahr 1680 hatte ein Bürger 4 Reichstaler und 18 Mariengroschen, eine Bürgerin 3 Reichstaler zu entrichten. Nur wenige Bürger und Bürgerinnen sind pro Jahr aufgeführt. Einer der frühesten Einträge des Jahres 1680 betrifft Johann Rolf Maßmann und seine Frau. Das geforderte Bruchgeld von 7 Reichstalern und 18 Mariengroschen zahlten sie in Raten, nämlich jährlich jeweils 1 Reichstaler in der Zeit von 1680 bis 1688. Im Folgejahr zahlten sie 29 Groschen. Erst im Jahre 1692 wurde der Rest von 25 Groschen bezahlt.[85] Die im Verhältnis zu anderen Bürgern schleppende Ratenzahlung lassen auf finanzielle Schwierigkeiten des Schuldners schließen. Krankheiten und Missernten sowie Verschuldung konnten einen Hausstand in den Ruin treiben. Geldverleiher waren häufig Verwandte oder gute Freunde. Außerdem waren Kaufleute und betuchte Handwerker bereit, Geld auszuleihen, um auf diese Weise die Schuldner an ihr Geschäft zu binden. Mancher Streit zwischen Schuldnern und Gläubigern wurde vor dem Stadtgericht ausgetragen.[86]

 

Es stellt sich die Frage, warum nur wenige Bürger jährlich aufgefordert waren, das Bruchgeld zu bezahlen. Das Bruchgeld der Frau wurde nach der Hochzeit entrichtet, falls sie in einen bürgerlichen Haushalt eingeheiratet hatte. Mit der Heirat hatte sich nicht nur der Hausstand verändert, sondern die betroffene Bürgerstätte hatte durch die Mitgift der Frau, sei es Haushaltsgerät, Vieh, Geld oder sonstiges Vermögen, einen Zuwachs an Vermögen erhalten. Daran partizipierten die Bruchherren mit einem einmaligen Beitrag. Stadtkämmerer Pohlmann zahlte im Jahre 1681 für seine Frau, seine Libsten, den in der Bruchordnung vorgegebenen Betrag von 3 Reichstalern.[87] In manchen Fällen ist der Herkunftsort der Frau notiert. Thomas Töte[88] zahlte am 5. April 1699 für seine Frau, die aus der benachbarten Vogtei Blasheim stammte, ebenfalls den geforderten Betrag von 3 Reichstalern. Bei der Einheirat eines Mannes in eine bürgerliche Stätte wird im Bürgerbuch der Name der künftigen Frau nicht genannt, jedoch der ihres Vaters. Der Bewerber trat somit in die Erbfolge des Schwiegervaters ein. Auch hier war ein Vermögenszuwachs zu verzeichnen, denn die männlichen Bewerber waren von Haus aus, in welcher Form auch immer, versorgt worden. Sie waren also nicht mittellos. So erscheint für den Bewerber Heinrich Dummeyer der Eintrag hatt sich an Cordt Tihlkingß Tochter verheyrath. Dummeyer hatte die üblichen 4 Reichstaler und 18 Mariengroschen zu entrichten. Seine Frau wurde nicht belastet, weil sie ein „Bürgerkind“ war.[89] Denselben Betrag entrichtete Christoph Scheper, der das Haus des Johann Schulte gekauft hatte.[90] Es handelt sich also bei den Eintragungen im Bürgerbuch um eine einmalige Zahlung für die Nutzung der städtischen Weiden.

 

Voraussetzung für den Eintrag ins Bürgerbuch war die Bürgeraufnahme.[91] So erschien am 25. April 1701 Henrich Steinkamp im Rathaus und erklärte, sich mit Frau und Kind alhir häußlich nieder zu setzen.[92] Der Herkunftsort wird nicht genannt. Bevor der Bürgereid geleistet wurde, war das Bürgergeld zu bezahlen, dessen Höhe von der Leistungsfähigkeit des Bewerbers abhing. Söhne von Bürgern wurden zwar vereidigt, waren aber vom Bürgergeld[93] befreit. Zur Bürgeraufnahme gehörte auch die Vorstellung eines ledernen Feuereimers, der bei den eingesessenen Bürgern ohnehin vorhanden war. Der Neubürger konnte ein „Eimergeld“ entrichten, um so einen Eimer aus dem städtischen Lager zu erwerben. Die Eimer aus dem städtischen Lager waren mit dem Stadtwappen gekennzeichnet. Die privat bei einem Sattler in Auftrag gegebenen Eimer waren mit dem Namen und Hausnummer gekennzeichnet. Jeder eingebürgerte Einwohner war zwangsläufig Mitglied der Bürgerfeuerwehr. Die Vereidigung der Neubürger folgte einem jahrhundertealten Ritual und fand am 24. Dezember, am Heiligen Abend, statt.

 

Die Eintragung in das Bürgerbuch und damit das Recht auf Eintrieb in die städtischen Weiden setzte den Stand eines Vollbürgers voraus. Das Ehepaar Steinkamp wurde nach Erlangung des Bürgerrechts mit 6 Reichstalern, einem verminderten Betrag, zur Kasse gebeten[94], ein Entgegenkommen an Neubürger, die sich in einem der verlassenen Häuser einrichten wollten. Bürgerkinder wurden zwar vereidigt, waren, wie schon gesagt, vom Bürgergeld, aber auch vom Bruchgeld befreit. Die Vorstellung eines Feuereimers entfiel. Bei den mehrmals jährlich stattfinden Feuerinspektionen mussten die Eimer ohnehin vorgestellt werden. Sie mussten stets mit Wasser gefüllt sein. Wurde kein Wasser nachgefüllt, zog sich das Leder zusammen und der Eimer war unbrauchbar. Zu den ständigen Utensilien gehörten Leitern und Feuerhaken. Auch ein Sandhaufen musste jederzeit in greifbarer Nähe sein.

 

Für ein Ehepaar, das eine vakante Stätte bezog, war der bereits genannte Gesamtbetrag von 7 Reichstalern und 18 Mariengroschen fällig. Simon Matthias Schlunte, ein Glaser, der mit seiner Frau aus Schildesche zugezogen und im Jahre 1699 zur Zahlung aufgefordert worden war, konnte erst am 16. Mai 1703 den geforderten Restbetrag bezahlen. Die Klagen über säumige Zahler rissen nicht ab. Am 29. Oktober 1714 sprachen Schützenmeister und Scheffer in dieser Angelegenheit im Rathaus vor und forderten den Bürgermeister auf, diesem Übelstand abzuhelfen. Künftig sollten Aufgebot und Heirat erst dann zugelassen werden, sobald ein amtlicher Schein vorlag, der die erfolgte Zahlung von Bruch- und Bürgergeld bescheinigte.[95] Sie baten den Bürgermeister um eine entsprechende Bekanntmachung in der Kirche.

 

Einnahmen, Ausgaben, Reparaturen

 

Es war Aufgabe der Bruchherren, die Beweidung der Bruchzone vor der Stadt zu überwachen. Um die Weideflächen nicht zu schmälern, war Zuzäunen und Abgraben, also Vergrößerung des privaten Besitzes, untersagt. Es drohten Geldstrafen und die Rücknahme des illegal angeeigneten Landes. Ein besonderes Augenmerk galt den kleinen Waldungen. Wildes Abholzen wurde mit harten Strafen belegt. Die Bruchherren wiesen diejenigen Bäume an, die geschlagen werden durften. Die Bruchzone war von Bächen durchzogen. Dazu gehörte auch die Ronceva, die den Stadtgraben bewässerte. Die Bäche waren überbrückt. Es gab zwanzig Brücken, die in der Bruchzone vor allem dazu dienten, dem Vieh den Übertritt in die nächste Weide zu erleichtern. Die Unterhaltung der Brücken war zwischen Kämmerei und Bürgerschaft hälftig geteilt.[96]

 

Auch die Innenstadt war von kleinen Bachläufen durchzogen. Es gab mehrere Brücken in der Stadt, die ständig instand zu halten waren. Im Bürgerbuch werden sie nicht gesondert aufgeführt. Alle Brücken unterstanden der Aufsicht der Bruchherren. Dazu gehörte auch die Instandhaltung der Ketten und Schlösser an den Zugängen zu den Weidegründen.[97] Um eine gute Aufsicht gewährleisten zu können, war die Bruchzone und darüber hinaus die Mark mit Wachttürmen durchsetzt.

 

Über die Bruchgelder hinaus verfügten die Bruchherren über weitere Einnahmen. Im Schuldbuch der Stadt sind mehrere Abschriften von Beurkundungen eingetragen, die einen Einblick in die Geldgeschäfte der Schützenmeister und ihrer Scheffer ermöglichen. Am 3. Ostertag des Jahres 1625 beurkundeten Schützenmeister und Scheffer die Entgegennahme von 20 Reichstalern aus der Hand von Hermann Westrup, einem Lübbecker Bürger.[98] Im Gegenzug war es Westrup erlaubt, eine weitere Kuh statt der Zinsen in das Bruch eintreiben zu lassen.[99] Das geliehene Geld musste wieder für Bruchgeschäfte verwandt werden. In dem vorliegenden Fall wurde eine Wiese eingelöst und dem Bruch wieder einverleibt. Geschäfte dieser Art fielen gewöhnlich auf den 3. Ostertag, den dienstag in den heiligen Ostern.

 

Verträge dieser Art wurden häufig an die Erben weitergereicht, weil die Bruchherren nicht in der Lage waren, die Schulden zu bedienen. So ist im Fall der Familie Homborg die Verzinsung im Schuldbuch so beschrieben: „Daß Sie [die Erben des Jacob Homborg] dafür und anstatt der järlichen Verzinßung Eine Kuhe in die Brüche oder gemeine graß weide treiben mögen.“[100] Jacob Homborg hatte den Bruchherren 20 Reichstaler geliehen. Der Vertrag war am 3. Februar 1671 zugunsten von Homborgs Erben verlängert worden. Die Vertragspartner konnten den Vertrag jederzeit kündigen. Im Jahre 1741 standen 6 Häusern überzählige Eintriebsrechte zur Verfügung, die die Besitzer von ihren Vorgängern, sei es durch Kauf oder Erbe, erworben hatten.[101]

 

Der Holzverkauf wurde über die Schützenmeister getätigt. Bei der praktischen Abwicklung ihrer Aufgaben erhielten Schützenmeister und Scheffer Hilfe von den Bürgerdienern, die auch als Ratsdiener beschäftigt waren. Bezahlt wurden ihre Dienste aus den Grasgeldern[102], Einahmen aus der Vergabe von Wiesenflächen zur Heugewinnung für die Winterfütterung. Um einen guten Graswuchs zu erreichen, wurde die Ronceva nach Bedarf abgestaut, so dass die Wiesen geflutet werden konnten.

 

Einen weiteren Zuverdienst für die Bürgerdiener boten die Stammgelder.[103] Im Sommer 1774 erhielt ein Bürgerdiener pro transportierten Baumstamm 1 ½ Mariengroschen. Man musste schon kräftig zupacken, um sich eine Brotmahlzeit und einer Kanne Bier leisten zu können.

 

Eine weitere Einnahmequelle der Bruchherren war der Verkauf von Flachs vom Acker. Auf ausgewiesenen und umbrochenen Ackerflächen im Bruch wurde Leinsamen ausgesät, um später Teile der Fläche an Bürger oder Bauern zur Ernte frei zu geben. Die Abrechnung erfolgte über einen der Schützenmeister.[104]

 

Die Bruchzone war von Wirtschaftswegen durchzogen. Für die Befahrbarkeit hatten die Bruchherren zu sorgen. Benutzt wurden die Wege von den Mägden, die täglich mehrere Male zum Melken auf die Weiden geschickt wurden. Hinzu kam der übliche Verkehr mit Karren und Wagen, der besonders während der Heuernte die Wege belastete. Kirchgänger aus Isenstedt, die ihren Weg zur Gehlenbecker Kirche durch das Bruch nahmen, hatten sich bei der Stadtverwaltung über die schlechten Wege und maroden Brücken beklagt. Bürgermeister Consbruch ordnete am 6. August 1792 die notwendigen Reparaturen an.[105] Das Bauholz, so erfährt man aus Consbruchs Anweisung, wurde den Isenstedter Bauern zum Fällen angewiesen. Holzverarbeitung und die Verlegung der Bohlen gehörten zu den Aufgaben der Bruchherren, die ihrerseits städtische Handwerker mit Aufträgen versorgten. Es gab also eine geordnete Arbeitsteilung.

 

Die Abrechnungen der Schützenmeister Gottschalck Gerlach und Henrich Pohlmann für die Jahre 1681 bis 1683 geben einen Einblick in die täglich zu verrichtenden Arbeiten und deren Entlohnung. Am 1. Mai 1683 hatte Stadtsekretär Reichmann eine Abrechnung der Schützenmeister und Scheffer beglaubigt. Zwei Jahre waren zu überprüfen gewesen. Dem Hansmöller war Fuhrlohn gezahlt worden. Brücken waren ausgebessert und bezahlt worden. Ein Hirte hatte einen Sonderlohn erhalten, weil er die Rinder 12 Tage lang auf dem Stadtwall gehütet hatte. Zur neuen Fahne der Bogenschützen war ein Beitrag geleistet worden. Auch Schützenmeister und Scheffer hatten eine angemessene Entlohnung erhalten. Jede, auch noch so geringfügige Arbeit musste entlohnt werden, so das Einebnen der Maulwurfshügel. In der Abrechnung zum Monat Mai heißt es dazu: „Alß die wanneworfs Bülte[106] sind geebnet worden verunkostet 12 g[roschen].“

 

Zu den wichtigsten Einnahmen der Schützenmeister gehörten Strafgelder sowie die bereits genannten Bruch- und Grasgelder. Die Bilanzierung ergab, dass die Ausgaben die Einnahmen überstiegen. Auf der Einnahmeseite standen 71 Rtlr 30 Groschen, auf der Ausgabenseite 93 Rtlr 27 ½ Groschen. Die Bürgerschaft hatte somit 21 Rtlr und 33 ½ Groschen neue Schulden.

 

Allgemeiner Abrechnungstag und Kassensturz war uff Bartholomei tag, dem 24. August. Im Beisein der Schützenmeister, Scheffer, Ratsherren und einiger Zeugen aus der Bürgerschaft legten die Schützenmeister Belege und Abrechnungen vor. Die Rechnungsprüfung fand nicht im Rathaus, sondern in der Wohnung eines der Bruchherren statt.[107] Schützenmeister und Scheffer waren stets auf Eigenständigkeit und Selbstverwaltung bedacht.

 

Selbstverwaltung wird eingeschränkt

 

Nachdem die Kriegs- und Domänenkammer am 8. Okt. 1727 das Rathäusliche Reglement verfügt hatte und der herkömmliche Stadtrat abgeschafft worden war[108], wurde am 29. Dezember 1727 die Selbstverwaltung der Bruchherrn eingeschränkt. Das Ziel der Kriegs- und Domänenkammer war es, sie ganz abzuschaffen.[109] Die Strafgewalt blieb zwar den Bruchherren vorbehalten, jedoch waren derartige Fälle dem Magistrat vorzutragen. Der Magistrat erhielt also ein Mitspracherecht. Die Einkünfte aus den Bruchgeldern wurden nicht mehr als Sonderposten erfasst, sondern künftig den Einnahmen der Kämmerei zugerechnet.

 

Waldwirtschaft und Stadtbrände

 

Der Baumbestand in der Bruchzone setzte sich aus Eichen, Büchen und Ellern[110] zusammen. Es gehörte zu den Aufgaben der Bruchherren, Gärten für Neuanpflanzungen anzulegen. Es waren keine Gärten im heutigen Sinne, sondern ausgewiesene und abgezäunte Fläche, die zur Sicherung des künftigen Bestandes mit Setzlingen bepflanzt wurden. Über die Bruchzone hinaus wurden in der Lübbecker Mark beiderseits des Wiehengebirges und im Wiehengebirge Pottunge, auch Pottgärten genannt, angelegt, so im Rahdener Wald, in Gehlenbeck und Eilhausen auf der Nordseite sowie in Niedringhausen, Büttendorf und Oberbauerschaft auf der Südseite des Wiehengebirges. Die Pflanzungen sowie deren Pflege waren den vier Vierteln der Stadt zugeordnet.[111] Es gab also eine Arbeitsaufteilung. Von Lübbecke aus brauchten die Bruchherren und ihre Helfer maximal eine Stunde, bis sie ihr Ziel zu Fuß oder mit Pferd und Wagen erreicht hatten. Das für Pottungen vorgesehene Gebiet griff über die Bruchzone hinaus in die Lübbecker Mark. Unter Bürgermeister Nagel und Schützenmeister Biermann kam es am 16. März 1678 an verschiedenen Orten inner- und außerhalb des Wiehengebirges zu Pottungen. Es muss eine gut organisierte Aktion gewesen sein. Das Stadtbuch zählt über 20 Örtlichkeiten auf, die zu bepflanzen waren.[112]

 

 

Das Lübbecker Stadtbuch verzeichnet mehrere Feuersbrünste, die Straßenzüge in Schutt und Asche legten.[113] Der erste aufgezeichnete Stadtbrand bezieht sich auf das Jahre 1368, als die Stadt einem Angriff des Edelherrn Simon zur Lippe zum Opfer fiel und gebrandschatzt wurde. Zu den folgenschwersten Bränden gehörten die aus den Jahren 1705, 1734 und 1766. Stadtbrände waren für Schützenmeister und Scheffer jedes Mal eine besondere Herausforderung. Bauholz wurde in großen Mengen benötigt. Es musste angewiesen, geschlagen und protokolliert werden.[114] Trotz der Katastrophen war darauf zu achten, dass der nachwachsende Baumwuchs nicht gefährdet wurde. Vorausschauende Bewirtschaftung war trotz aller Not angesagt.

 

 

 

 

 

 

 

Zum Stadtbrand von 1705 heißt es in einem an den König gerichteten Bittbrief: „daß unsere geringe, nahrlose [nahrungslose] statt [Stadt], leider am 11. 8ber [Oktober] besagten jahres, abermahlen mit einer großen feuers Brunst heimgesuchet, wodurch unser Raht hauß, und vornehmsten sachen des Archivi, nebst siebentzig der besten so freyen als bürgerlichen Häusern elendig in die asche geleget worden.“[115] Das Stadtarchiv war also auch betroffen gewesen. Die Truhen mit ihrem wertvollen Urkundenbestand waren vernichtet worden. Ein großer Teil des Aktenbestandes konnte jedoch gerettet werden.

 

Am 19. Mai 1706 wurden Schützenmeister und Scheffer bei der Stadtverwaltung vorstellig[116], um an eine königliche Anordnung zu erinnern, in der die Stadt angewiesen wurde, die im Aufbau begriffenen Häuser mit Dachziegeln einzudecken. Offenbar wollten einige Bürger auf Dachziegeln verzichten und wieder Strohdächer, weil billiger, verwenden. Die Lübbecker Magistratsziegelei in Isenstedt war überfordert und nicht in der Lage gewesen, die nötigen Dachziegeln zu liefern. Die Schützenmeister drangen darauf, den ungenutzten großen Ziegelofen wieder betriebsbereit zu machen. Außerdem, so die Schützenmeister, müsste auf bezahlbares Material geachtet werden und, wenn nötig, sollte ein neuer Ziegelmeister eingestellt werden. Zum Verständnis ist anzufügen, dass die Stadtverwaltung, die zu brennende Menge an Ziegelsteinen und Dachziegeln anordnete. Auch die Preisgestaltung lag bei der Stadtverwaltung.

 

Die Schützenmeister kümmerten sich auch um den Zustand des Feuerlöschteiches, der „Feuerrenne“, vor dem Bergertor und seines Zuflusses, der Ronceva. Besitzer von angrenzenden Gärten wurden ermahnt, die Böschungen sauber zu halten und Zäune nicht zu nahe an die Gewässer zu stellen. Am 3. Juli 1719 drangen Schützenmeister und Scheffer bei der Stadtverwaltung darauf, dass die Anrainer angewiesen würden, Hecken auszurotten, die zu nahe an den Böschungen standen. Das Ausräumen der Ronceva sollte nicht behindert werde.[117]

 

Fast wäre es 1734 wieder zu einem Stadtbrand gekommen, der die Ausmaße des Brandes von 1705 hätte annehmen können, als am 26.Februar 1734 im Hause des Bäckers und Brauers Fortmeyer an der Langen Straße 13 (nach damaliger Zählung)[118] zu nächtlicher Stunde ein Feuer ausbrach, das auf das Nachbarhaus übergriff.[119] Nachdem eine Ladung Schießpulver explodiert war, griff das Feuer schnell um sich. Insgesamt wurden 41 Wohnhäuser, fünf Hinterhäuser sowie der Grappendorf´sche Hof am Niederwall[120] samt Schäferhaus und Schafstall in Schutt und Asche gelegt. Später kam es zu Vorwürfen, die auch von den Schützenmeistern geäußert wurden. Die Feuerrenne hatte nicht genug Wasser vorgehalten. Die Feuerspritze war nicht in Ordnung und Feuereimer nicht sofort greifbar gewesen. Vorwürfe gab es mehr als genug. Auf Schützenmeister und Scheffer wartete wieder einmal ein Haufen Arbeit. Baumaterial musste bereitgestellt werden. Sorgen machten wieder die noch vorhandenen Strohdächer in der Stadt. Am 15. März 1734 gab es noch 14 Häuser, die ganz oder teilweise mit Stroh eingedeckt waren. Die Stadtverwaltung entschloss sich, die Eigentümer aufzufordern, die Strohdächer unverzüglich abzunehmen.[121] Bei Verweigerung sollten derartige Dächer auf Kosten der Eigentümer zwangsweise entfernt werden.

 

Nach dem Stadtbrand vom 12. auf den 13. Dezember 1766 standen die derzeitigen Schützenmeister und Bruchherren wieder wie in den Brandjahren zuvor vor einer immensen Herausforderung.[122] Bauholz war in großen Mengen gefragt. Hinzu kamen die Forderungen der Gehlenbecker Dorfbewohner. Im Sommer des Jahres 1766 hatte ein Brand das Dorf in Schutt und Asche gelegt. Das Jahr 1766 war ein Katastrophenjahr mit Folgen, die sich noch jahrelang hinzogen.

 

Im Bürgerbuch beschreibt Schützenmeister Marmelstein die Lübbecker Brandschäden. Er fügt eine persönliche Bemerkung ein und schreibt. „… ich aber als jetziger Schützenmeister habe dieses zur Nachricht auch unsern Nachbleibende notiren wollen.“[123] Fast alle Häuser an der Tonstraße waren abgebrannt. Am Steinweg und im Scharrn waren nur drei Häuser stehen geblieben. Der größte Teil der Niedernstraße war ein Opfer der Flammen geworden. Auf Fünfhausen waren alle Häuser auf der Nordseite samt Inventar eingeäschert worden. Die meisten Häuser an der Langen Straße hatten die Brandnacht nicht überstanden. Die Bürgerfeuerwehr kämpfte 18 Stunden lang gegen die Gewalt des Feuers. Insgesamt waren 92 Häuser eingeäschert worden. Hinzu kamen 17 Neben- oder Hinterhäuser. Auf den bürgerlichen Anteil am Stadtgebiet berechnet, war ein Drittel der bürgerlichen Häuser eingeäschert worden. Der adelige und der kirchliche Anteil hatten nach Marmelsteins Angaben im Vergleich zu den bürgerlichen Häusern nur geringen Brandschaden erlitten. Nach Angabe von Bürgermeister Sagittarius waren auf dem Grappendorf´schen Hof Vorwerk und Schafstall abgebrannt. Wie den Darlegungen Marmelsteins und des derzeitigen bürgerlichen Bürgermeisters Sagittarius zu entnehmen ist, wurden derartige Katastrophen als göttliche Strafe gesehen. Sagittarius schließt seinen Bericht im Stadtbuch mit den Worten Deus meliora, Gott verschaffe Besserung.[124]

 

Das Eichenholz war für Bauzwecke begehrt. Zur Pflege und Sicherung der Eichenbestände wurden sogenannte Eichelgärten angelegt, in denen die Setzlinge aufgezogen wurden. Die Gärten waren umzäunt, um sie vor Wild und Raub zu schützen. Im Oktober 1735 legten die Schützenmeister Engelbert Hölscher und Dietrich Wilhelm Wittemeyer auf der Masch einen Eichelgarten an, und zwar auf dem Bürgerkamp am sogenannten Schweinegarten.[125] Im Oktober des Jahres 1758 wurden unter den Schützenmeistern Bode und Vosswinckel an mehreren Orten 1476 Eichensetzlinge gepflanzt[126], die im Folgejahr wenige Tage vor der Schlacht bei Minden, die am 1. August 1759 stattfand, von den Truppen der Alliierten wieder abgehauen wurden. Carl Erbprinz von Braunschweig-Lüneburg, Oberbefehlshaber der englisch-hannoverschen Armee, hatte damals mit etwa 9.000 Mann, bestehend aus Infanterie und Kavallerie, in Lübbecke Quartier im Kleinen Feld bezogen.[127] Der Schutz um die Gärten war auch sonst nicht immer wirksam. Am 29. September 1761, zu Michaeli, erneuerten die Schützenmeister Pohlmann und Kottkamp mit ihren Scheffern einen Eichelgarten, der von ihren Vorgängern, den Schützenmeistern Bode und Vosswinkel, angelegt, aber vom Vieh ruiniert worden war. Der Garten wurde neu angelegt und bepottet[128], d. h. mit Setzlingen bepflanzt.[129] Im Oktober 1769 legten die Schützenmeister Johann Conrad Vordmeyer und August Wilhelm Baare mit Hilfe ihrer Scheffer einen neuen Eichelgarten auf der Masch neben dem alten Garten an.[130] Schützenmeister Vordmeyer ließ im Jahre 1775 im Niederbruch einen weiteren Eichelgarten anlegen.[131] Im Herbst 1766 legten die Schützenmeister Marmelstein und Reinhard mit ihren Scheffern im Niederbruch auf der Flur „Im Kuhstall“[132] einen weiteren Eichelgarten an und säten 3 ½ Scheffel Eicheln aus.[133]

 

 

Der Lübbecker Glockenstreit

 

Am Rathaus befand sich von alters her die Bürgerglocke, die alle wichtigen Rats- und Bürgerversammlungen einläutete. Sie wird erstmals in der ältesten bekannten städtischen Ratsordnung aus der Zeit um 1400 erwähnt.[134]

 

Um den Neubau des Rathauses nach dem Stadtbrand von 1705 finanzieren zu können, war die Stadtverwaltung entschlossen, die Bürgerglocke, die beim Rathausbrand unversehrt geblieben war, zu verkaufen. Als die Bürgerschaft im Frühjahr 1708 davon erfuhr, stellte sich Unmut ein. Bürger drohten, ein solches Vorhaben verhindern zu wollen und, wenn es sein müsste, auch mit Gewalt. Um die Bürgerschaft zu beruhigen, waren die Schützenmeister aufgerufen, zwischen Bürgerschaft und Verwaltung zu vermitteln. Am 16. März 1708 im Rathaus vorgeladen, versprachen die Schützenmeister, eine gütliche Beilegung des Streites zu versuchen, verschwiegen aber, dass sie mit der Bürgerschaft einer Meinung waren.[135] Ein Vorschlag aus der Bürgerschaft, die Glocke im Kirchturm aufzuhängen, wurde vom Rat zurückgewiesen mit dem Argument, dort sei kein Platz. Am 20. März wurde der Bürgeraufruhr im Rat erneut verhandelt. Geladen waren auch die Schützenmeister und Scheffer. Sie gaben zu Protokoll, dass sie die Angelegenheit im walle, im Bürgerwall auf dem Weingarten, mit der Bürgerschaft besprochen hätten.

 

 

Der so genannte Bürgerwall befand sich auf der Westseite der Stadt, wo der Graben wegen einer Anhöhe nicht bewässert war. Da die Stadt hier besonders gefährdet war, gab es am Klingelbrink[136], so die örtliche Bezeichnung, einen Doppelwall, der bei öffentlichen Angelegenheiten Treffpunkt der Bürgerschaft und ihrer Vertreter war. So wurde auch räumlich Distanz zum Rathaus gewahrt.

 

 

Die Bürgerschaft hatte sich bei der Versammlung im Bürgerwall ablehnend verhalten. Die Glocke sollte ihrer Meinung nach nicht verkauft werden. Schützenmeister und Scheffer wurden von der Verwaltung ermahnt, sich ferner opposition zu endhalten[137]. Das geschah, wie der weitere Vorgang zeigt, offensichtlich nicht.

 

 

 

 

 

 

 

Der Kirchengemeinde Eidinghausen war zu Ohren gekommen, dass die Lübbecker Bürgerglocke verkauft werden sollte. Sie setzten sich mit den Lübbeckern in Verbindung und erfuhren zu ihrem Erstaunen, dass der Rat zwar gewillt sei, die Glocke zu verkaufen, die Bürgerschaft jedoch anderer Meinung sei und von einem Verkauf nichts wissen wolle. In der Ratssitzung vom 2. April 1708 mussten die Ratsherren zur Kenntnis nehmen, dass sich die Eidinghauser bei der Regierung Minden über das Verhalten der Lübbecker beschwert hätten. Die Regierung wies den Reineberger Amtmann v. Korff an, die Lübbecker Verwaltung dabei zu unterstützen, den Glockenverkauf auch gegen den Willen der Bürgerschaft durchzusetzen, damit die Glocke endlich abgefahren und aufgehängt werden könne. Das sprach sich in der Bürgerschaft herum. Kampfbereit drohten einige Bürger, alles daran zu setzen, genau das zu verhindern. In ihren Augen mussten der Rat samt Syndikus Dr. Gülich sowie der Reineberger Amtmann in die Schranken gewiesen werden. Die Glocke sollte da wieder aufgehängt werden, wo sie hingehörte, nämlich im Rathaus. Die Eidinghauser hatten die Glocke aber bereits bezahlt und machten sich am 2. April 1708 kurzerhand auf den Weg, um ihr Eigentum persönlich abzuholen. In Lübbecke angekommen, erlebten sie eine böse Überraschung.

 

Ihnen wurde der Zugriff auf die Glocke nicht nur mit Worten, sondern unter Anwendung brachialer Gewalt verweigert. Anführer der aufgebrachten Lübbecker waren die Schützenmeister Vogeler und v. Bieren. Obwohl die Eidinghauser darauf verwiesen, in friedlicher Absicht gekommen zu sein, wurden ihre Pferde geschlagen und mitsamt dem Wagen abgedrängt und zum Stadttor hinaus geschoben. Die Eidinghauser ließen sich nicht einschüchtern und waren am nächsten Tag wieder da. Vor dem Haus von Senator Scheffer, wo die Glocke gelagert war, begehrten sie Einlass. Als der Einlass auf sich warten ließ, drangen sie gewaltsam in das Haus ein, wobei Türen und Fenster zu Bruch gingen. Als sich der Senator den Eindringlingen entgegenstellen wollte, griff einer der Eidinghauser ihn an die Gurgel und warf ihn zu Boden. Dieser Augenblick wurde ausgenutzt. Die Glocke wechselte blitzschnell den Besitzer, um auf einem Schlitten mit großem ungestüm und Zulauff des gemeinen volcks nicht ohne große ärgerniß nach der Kirche [in Eidinghausen][138] abtransportiert zu werden. Für das Rathaus wurde eine kleinere Glocke angeschafft.

 

Fast wäre auch die Sturmglocke im Geläut der St.-Andreas-Kirche verkauft worden. Der Magistrat befürchtete einen Aufruhr, der den um die Bürgerglocke übertroffen hätte, und verzichtete auf den Verkauf.[139]

 

Regierungsamtliche Eingriffe in das Schützenwesen

 

Das Festessen der Schützen, der Schützenschmaus, sorgte im Jahre 1711 für Ärger. Die adeligen Hofbesitzer v. Venningen, v. Cornberg , v. d. Recke sowie der Reineberger Amtmann v. Korff hatten den Schützen vorgeworfen, aus den Einnahmen der Bruchherren die Grasgelder[140] für das Festessen abgezweigt zu haben, und reichten bei der Regierung in Minden Beschwerde ein. Die Lübbecker Schützen wurden regierungsamtlich aufgefordert, derartige Essen in Zukunft zu unterlassen. Üppige Feste der Untertanen waren der Regierung ohnehin ein Dorn im Auge. Sie waren mit dem Arbeitsethos preußischer Prägung nicht vereinbar. Die Untertanen sollten einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, nicht abgelenkt werden, Steuern bezahlen, den Regierungsanordnungen Folge leisten und im Übrigen den Mund halten. Die Lübbecker Schützenmeister und Scheffer sahen sich genötigt, auf die Beschwerde der Herren vom Adel mit einem Schreiben pro avertendo praejudicio zu antworten.[141] Dem Vorurteil, üppige Feste abzuhalten, sollte entgegengetreten werden. Schützenmeister und Scheffer wiesen in ihrer gegendemonstration und bittschrift vom 25. Juni 1711 an die Regierung darauf hin, dass die Schützenfeste mit ihren geselligen Runden nur alle zwei Jahre üblich seien und dass sich aus der Bürgerschaft bisher niemand beschwert habe. Diese kleinen Vergnügen, bei denen der Konsum von einigen Tonnen Bier und das Tabakrauchen dazu gehörten, sollte man den Bürgern schon gönnen. Die Beschwerdeführer könnten sich ohnehin kein Urteil erlauben, weil sie an Festlichkeiten der Schützen nicht beteiligt seien. Die Schützenmeister fragten in ihrer Beschwerde bei der Regierung an, warum denen lasttragenden Bürgern eine so geringe ergetzlichkeit (Ergötzlichkeit) nicht gegönnt werde. Schützenmeister und Scheffer wiesen mit dem Hinweis auf die lasttragenden Bürger auf ein öffentliches Ärgernis hin. Es war nämlich in dem Lübbecker Stadtwesen seit Jahrhunderten üblich, dass den Bürgern die öffentlichen Lasten aufgebürdet wurden, während der Adel davon verschont blieb. Der Adel zahlte keine Steuern und blieb von Bollwerksdiensten wie Hilfsdiensten beim Straßen- und Festungsbau verschont. Außerdem, so Schützenmeister und Scheffer, sei es im Gegensatz zum Konsum in den Bierschänken bei den Schützenfesten nie zu Exzessen gekommen. In der Bittschrift wurde außerdem darauf hingewiesen, dass die Schützen gehalten seien, ihr gewehr sauber und fertig zu halten. Im militärverliebten Preußen hörte man so etwas natürlich gerne. Auch die öffentliche Ordnung, so die Schützenmeister und Scheffer, werde durch die Bürgerschützen nicht gefährdet, weil das Schießen auf den Straßen untersagt sei.

 

 

Ein Einlenken der Regierung wurde nicht erreicht. Am 7. Mai 1715 wurde erneut eine regierungsamtliche Anordnung erlassen, die Schützenzehrung, das Festessen der Schützen, zu unterlassen. Eine Strafe von 50 gfl ( Goldflorinen)[142] wurde bei Nichtbeachtung angedroht. Das Schützenfest selbst war in Gefahr. Auf die gesellige Runde wollten die Lübbecker Schützen auf keinen Fall verzichten. Es gab einen Ausweg. Man gab sich gegenüber der Regierung bescheiden. Die Bürgerversammlung beschloss im Schützenwall, auf eine große Zehrunge zu verzichten und sich mit einigen Tonnen Bier zu begnügen.[143] In einer Bittschrift vom 21. Juni 1715 teilten Schützenmeister und Scheffer der Regierung mit, dass alle vorige excesse abgestellet seien. Auf dem anstehenden Schützenfest sollte es also zurückhaltender zugehen. Nach geendigter wahl, also nach dem Ausschießen der Könige, so die Mitteilung an die Regierung, werde man bei den neuen Schützenmeistern einkehren, um sich bei einem trunck bier zu recreiren (zu erholen). Man gab sich also betont bescheiden in der Hoffnung, künftig eine Strafandrohung zu vermeiden. Im Übrigen, so Schützenmeister und Scheffer, sei bei der zu erwartenden warmen Witterung ein Bierverzehr in der Bürgerschaft nicht zu vermeiden. Die Festlichkeiten wurden nach der regierungsamtlichen Androhung auf die Bürgerhäuser verlagert oder verteilt. In der mit festlichem Grün geschmückten Stadt wurde in jedem Haus und auf der Straße gefeiert. Gegenseitige Besuche waren angesagt. Es war ein öffentliches Stadtfest, zu dem jeder nach seinem Vermögen etwas beitrug, sei es Fleisch, Eier, Butter oder Gemüse.[144] Die zahlreichen kleinen Braustellen in der Stadt, namentlich die der Bäcker, lieferten das nötige Bier. Auch die Branntweinbrenner kamen auf ihre Kosten. Das Schützenfest war gerettet und der Bürgersinn gestärkt.

 

 

Den Schriftwechsel zwischen Stadt und Regierung zum Festessen der Schützen fasste die Stadtverwaltung zu einem Verwaltungsvorgang[145] aktenmäßig zusammen und fügte ihm die Abschrift einer städtischen Verordnung zum Schützenwesen bei, ausgestellt von Ritterschaft, Bürgermeister und Rat unter Zustimmung der Ämter[146] und der Bürgerschaft. Es ging um die Ordnung im Schützenwesen. Die Vermutung liegt nahe, dass es vorher zu Unstimmigkeiten gekommen war. Die Verordnung ist auf den 24. Juni 1492, Am Sontage Johanniß Babtiest[ae] mydden sommer, datiert und mit dem großen Stadtsiegel beglaubigt, was die Wichtigkeit hervorhebt. Der Text ist teilweise nur schwer verständlich und setzt Kenntnis der städtischen Gepflogenheiten voraus. Bereits Bürgermeister Strubberg beklagte sich 1844 über die mangelhafte Abschrift der Verordnung[147], die sich mit dem Schützenwesen und mit den Büchsenschützen im Besonderen befasst. Neue Büchsenschützen mussten sich dem Rat vorstellen, um vereidigt zu werden, nachdem der neue Rat gewählt und eingesetzt worden war.[148] Die Fähigkeit, mit der Waffe umzugehen zu können, war zu demonstrieren.

 

 

 

Der Rat legte Wert auf die Kontinuität in der Reihe der Büchsenschützen. Sobald einer verstorben oder ausgefallen war, musste innerhalb von 14 Tagen ein Ersatzmann präsentiert werden, der fähig war, eine Büchse zu handhaben, was vor dem Rat und den Schützenmeistern zu beweisen war. Das sogenannte „Vogelschießen“ – das Schießen auf den papegeinge (Papagei) - wurde bestätigt und muss schon zur städtischen Tradition gehört haben und fand alle Jahr statt. Es handelt sich also um ein jährliches Fest.

 

 

 

Es geht in der Verordnung auch um die Erneuerung in der Waffentechnik. Die herkömmlichen Büchsen sollten durch Radschlossbüchsen aus Bremen ersetzt werden, bezeichnet mit Eyn bremer rad buß[149]. Die Bremer Radschlossbüchsen besaßen einen verbesserten Zündmechanismus. Die Übergabe erfolgte am Sonntag nach Fronleichnam. Es ist möglich, dass es sich hier um den ursprünglichen Schützenfesttermin handelt. Fronleichnam war auch in Lübbecke ein beliebtes Kirchenfest, das von der Fronleichnamsbruderschaft gepflegt wurde .[150] Fronleichnam ist noch heute bei traditionellen Schützenfesten ein beliebter Termin. Die Lübbecker Verordnung zum Schützenwesen von 1492 untersagte die Veräußerung von Büchsen. Bei Zuwiderhandlung musste innerhalb eines Monats eine neue Büchse angekauft sein, sonst drohte eine Strafgeld. Auch die Präsenzpflicht bei den Schützenfesten wurde eingefordert. Es drohte ein Strafgeld von acht Schillingen, das für das Festessen zu verwenden war. Der private Gebrauch der Büchsen außerhalb der Übungen und Schützenfesten war untersagt.

 

Weitere Aufgaben der Schützenmeister

 

 

Über ihr Amt als Bruchherren hinaus kümmerten sich die Schützenmeister und ihre Scheffer um öffentliche Belange. Eine der ersten Klagen, die im Jahre 1718 dem Stadtgericht vorgetragen wurde, war von den Bruchherren eingereicht worden.[151] Angeklagt war der Bürger Brüggemann, der nahe der Stadtmauer einen Neubau errichtet hatte, wobei die Stadtmauer beschädigt worden war. Wie dem Kurzprotokoll zu entnehmen ist, hatte Brüggemann Steine aus der Stadtmauer gebrochen, um sie für seinen Neubau zu verwenden. Das Gericht wies Schützenmeister und Scheffer an, sich der Sache sofort anzunehmen und Brüggemann anzuhalten, den Schaden auf eigene Kosten zu beheben.

 

 

 

Am 23. September 1723 gaben die Schützenmeister Anton Henrich Pohlmann[152] und Christoph Halle im Bürgerbuch zu Protokoll, dass die Viehtränke vor dem Ostertor[153] mit Hilfe aus der Bürgerschaft wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt worden sei.[154] Die Tränke hatte sich in einem miserablen Zustand befunden. Sie war von der Frau Generalmajorin v. Venningen[155] zu einer Mistgrube umfunktioniert worden. Die Frau v. Venningen besaß einen Burgmannshof auf der Westseite des Marktes.[156] Dazu gehörte eine am Markt gelegene Mistgrube. Im Jahre 1717 waren die Einwohner Lübbeckes per regierungsamtlicher Anordnung aufgefordert worden, die Mistgruben an den Straßen zu entfernen. Die Frau v. Venningen musste notgedrungen ihre Grube am Markt aufgeben. Der Ober-Landdrost v. d. Osten, „Chef“ der Regierung Minden[157], hatte der Frau v. Venningen einen Ersatz angeboten und ihr zum Ärger von Bürgerschaft und Verwaltung die Erlaubnis erteilt, die Tränke vor dem Ostertor als Mistgrube zu benutzen. Sie sahen in der Tränke ein bonum ac praedium civitatis[158], ein städtisches Gut. Schützenmeister und Scheffer nahmen sich der Sache an und wandten sich an die Regierung mit der Bitte, den alten Zustand wieder herzustellen. Sie erwirkten am 14. September 1723 den königlichen Befehl, die Mistgrube in den vorigen Stand zu setzen …auff der Imploranten Kosten.[159] Die Stadt hatte also die Kosten selbst zu tragen. Um an der Örtlichkeit wieder Ordnung zu schaffen, waren die Schützenmeister gefordert. Sie fanden willige Bürger, die bereit waren, die Tränke auszuräumen, zu reinigen und von Unrat zu befreien.

 

 

 

 

 

 

 

Das rief die streitlustige Frau v. Venningen auf den Plan. Sie erschien pünktlich am 23. September 1723 mit ihrem Verwalter und ihrem Rechtsbeistand im Rathaus, um sich über die Räumung zu beklagen. Ihr wurde entgegengehalten, dass die Anordnung des Ober-Landdrosten v. d. Osten nicht rechtens gewesen sei und er nicht das Recht gehabt habe, der Stadt das Ihrige zu nehmen. Die Tränke sei außerdem zu einer Mistgrube nicht zu gebrauchen, weiln in derselben sehr viele quellen vorhanden weren.[160] Die Frau v. Venningen war darüber empört, dass die Bürger die Erde, die sie hatte anfahren lassen, abgefahren und zum Straßenbau verwendet hatten. Sie verlangte Schadenersatz. Frau v. Vennigen erhielt keine Hilfe von der Regierung. Die Kriegs- und Domänenkammer Minden nahm sich der Sache an. Die Dame konnte ihre Mistgrube am Markt wieder öffnen, musste sie jedoch mit einem Staket oder plankwerk absichern. Sie war also gehalten, einen Sicherheitszaun zu setzen. Falls die Maßnahme nicht in ihrem Sinne war, war die Stadt gehalten, ihr einen anderen Platz zur Mistgrube anzuweisen. Die Pferdetränke blieb unter der Obhut der Schützenmeister.[161]

 

Um die Tränke zu schützen, damit sie nicht erneut als Abfallgrube benutzt werden konnte, ließen Schützenmeister und Scheffer Eichenpfosten zur Einzäunung setzen und sorgten für einen Fischbesatz. Dazu heißt es im Bürgerbuch: “Imgleichen haben wir [Schützenmeister und Scheffer] selbige [Tränke] auch in diesem 1723 Jahr mit fischen besetzet und ao [Anno] 1725 den 22. Junii Zum ersten mahl alß die schützen Zehr [Festessen der Schützen] gewesen darin gefischet.“ [162] Aus dieser Bemerkung kann gefolgert werden, dass das Festessen der Schützen wieder aufgenommen worden war. Das Festessen war nicht vergessen worden. Im Jahre 1792 war das Festessen, jetzt Fahnenschmaus genannt, wieder obligater Festteil.[163]

 

 

Fälle, die die polizeiliche Funktion der Schützenmeister und ihre Scheffer belegen, tauchen wiederholt in den Protokollen des Stadtgerichts auf. Am 22. April 1730 wurde dem Gericht folgender Fall vorgetragen. Schützenmeister und Scheffer hatten das Haus des Kaufmannes Hölscher besucht, um zu überprüfen, ob die notwendigen Gerätschaften für die Feuerbekämpfung vorhanden waren. Sie fanden leicht brennbare Materialien vor wie Tran, Teer, Öl, Pech und Schießpulver. Hölscher besaß die Lizenz zum Branntweinbrennen. Bei dieser Tätigkeit, so die Befürchtung der Besucher, könnte ein Brand ausbrechen, dessen Folgen unabsehbar waren. Erinnerungen an den verheerenden Stadtbrand von 1705 wurden wach. Inschriften auf den Torbalken vieler Häuser erinnerten später noch an jenen Stadtbrand, der den Bewohnern immensen Schaden zugefügt hatte.[164]

 

 

Hölscher wurde vor die Wahl gestellt, entweder das Branntweinbrennen zu unterlassen, um den Handel mit leicht brennbaren Materialien fortsetzen zu können, oder umgekehrt auf den Handel mit leicht entflammbaren Materialien zu verzichten, um weiter als Branntweinbrenner tätig sein zu können. Am 15. Juli 1730 waren alle Branntweinbrenner ins Rathaus vorgeladen.[165] Sie wurden ermahnt, die von der Verwaltung erlassenen Vorschriften für innerstädtischen Handel und den Landhandel einzuhalten. Strafen wurden angedroht. Hölscher war der Einladung nicht gefolgt. Wie der Fall letztendlich entschieden wurde, ist den Protokollen nicht zu entnehmen.

 

Die St.-Andreas-Kirche stand bis auf den Chorteil unter dem Patronat des Stadtrates. Der Chor gehörte, wie schon gesagt, den Stiftsherren. Der Stadtrat trug also die Baulast für den größeren Teil der Kirche. Die Reparaturen am Pfarrhaus gehörten zum Aufgabenbereich der Bruchherren. Im Jahre 1755 war ein Nebenhaus am Pfarrhause reparaturbedürftig. Die Schützenmeister hatten zur Verbeßerung der Stadt-Pfarre eine, mit allgemeiner Bewilligung geschehene Collecte veranlasst.[166] Die Kollekte hatte einen Betrag von 150 Reichstalern ergeben. Die Schützenmeister Hieronymus Henrich Halle und Gerhard Johann Warmann nahmen sich der Sache an und ließen am 13. März 1755 Eichendielen, 29 an der Zahl, verlegen und mit Nägeln befestigen, was zu der Zeit bei Nebengebäuden und Scheunen nicht allgemein üblich war. Die Dielen wurden häufig unbefestigt auf die Tragebalken gelegt. Unfälle waren die Folge.

 

Die städtische Landwehr war eine mehrwallige Anlage mit anliegenden Gräben.[167] Sie umgab die Stadt in einem Abstand von etwa 700 Metern. Zwischen Landwehr und Stadtbefestigung lagen die Bürgergärten. Vor der Landwehr lagen die Kirchspieldörfer Blasheim und Gehlenbeck. Nach Süden war das Wiehengebirge eine natürliche Abgrenzung. Auch hier wird es eine Abwallung gegeben haben, um Wildschäden zu vermeiden. Die aufstehenden Hecken waren zu beschneiden, Zäune auszubessern und die anliegenden Gräben zu säubern, die zum Teil bewässert waren. Die seitlichen Grasflächen an den Wällen wurden regelmäßig beweidet, um Wildwuchs zu vermeiden. Die Tiere sorgten dafür, dass der Boden unter ihrem Tritt fest blieb. Die westliche Landwehr zur Blasheimer Seite wurde für jeweils zwei Jahre an Bauern verpachtet. Der heutige verrohrte Bach an der Obernfelder Allee sorgte damals für die Bewässerung der Gräben im westlichen Teil der Landwehr.

 

Am 24. Juli 1786 rief der Schützenmeister Bode die ältesten Schützenmeister und Scheffer zu sich in sein Haus, um über die Verpachtung der Landwehr an der Blasheimer Seite zu beraten. Die Versammlung unter Schützenmeister Bode beschloss auf Drängen der Bauern, die Pachtdauer auf zwölf Jahre zu verlängern. Schützenmeister Bode wurde beauftragt, für ein „Publicandum“ zu sorgen, das am folgenden Sonntag in der Blasheimer Kirche verkündet werden sollte. Das Original wurde zu den Unterlagen in der Bürgerlade genommen. Vorher war im Bürgerbuch für die Schützenmeister eine Abschrift angefertigt worden[168]. Wie der übrige Teil der Landwehr in Ordnung gehalten wurde, ist dem Bürgerbuch nicht zu entnehmen.

 

Der Magistratstorfplatz im Isenstedter Moor und das Magistratsholz, ein Waldstück auf der Südseite des Wiehengebirges vor Beendorf in der Oberbauerschaft, werden im Bürgerbuch nicht erwähnt. Beide Teile, Moor und Holz, versorgten Schule und Rathaus mit Brennstoff. Sie unterstanden wahrscheinlich nicht der Aufsicht durch die Bruchherren, weil sie öffentliche Gebäude versorgten und privaten Personen die Nutzung untersagt war.

 

 

Strafmaßnahmen

 

Die Zahl der pro Haus und Hof einzutreibenden Kühe durfte nicht überschritten werden. „Sollte einer oder ander, über sein Zahl treiben, derselbe soll, ohn einige vorgehende verwarnungh … gestraffet werden.“Außerdem galt folgende Anordnung: „Es soll keiner befuegt seyn, Zwey Kälber fur eine Kuh zu treiben“.[169] Übeltäter, die sich nicht an die Bruchordnung hielten, wurden nach Vorgabe der Ordnung bestraft. So erging es im Jahre 1709 dem Bürger Matthias Sümer.[170] Er hatte zwei Kühe in das Bruch treiben lassen, die nicht ihm, sondern seiner in Dummerten[171] wohnenden Tochter gehörten. Die Bruchherren konfiszierten eine Kuh, die öffentlich im Bürgerwall am Klingelbrink geschlachtet wurde. Das Fleisch wurde, wie es die Tradition erforderte, dem Armenhaus im Cornberg`schen Burgmannshof am Gänsemarkte übergeben.

 

Der Fall des Johann Wilhelm Clausing wurde am 30. Mai 1722 vor dem Stadtgericht verhandelt. Er war von den Schützenmeistern verklagt worden. Mehrere Kühe waren „geschüttet“, d. h. gepfändet, und in den Lübbecker Pfandstall in Pohlmanns Haus an der Langen Straße[172] getrieben worden. Darunter waren Clausings Kühe. Clausing war über das Vorgehen der Scheffer empört, hatte ihnen beleidigende Worte zugerufen und zu seiner Frau gesagt: „…frau gib den schluckhälsen drey matthier[173] auß so können sie dieselben verzehren.“[174] Zwar meinten die Schützenmeister vor Gericht, man wisse ja, wer solche Worte zu gebrauchen pflege, bestanden jedoch auf einer angemessenen Bestrafung, obwohl Frau Clausing einen Silberring als Pfand für das Strafgeld von 1 ½ Groschen angeboten hatte. Clausing bat um eine gelinde Strafe, die er auch bekam. Er wanderte für einige Stunden in den Hülsenbusch. Die Ortsbezeichung kann missverstanden werden. Es handelt sich nicht um einen Busch im heutigen Sinne, sondern um einen Gefängnisturm auf der Nordseite der Stadtbefestigung am Hülsenbusch.[175] In dem Gerichtsverfahren gegen Clausing ging es nur um die Beleidigungen. Was mit dem gepfändeten Vieh geschehen war, darüber schweigt sich das Protokoll aus.

 

Die Ordnung des Weiderechtes mit seinen Begrenzungen beim Vieheintrieb war ständigen Verletzungen ausgesetzt. Übertretungen wurden gewöhnlich nicht dem Stadtgericht vorgetragen, sondern von den Schützenmeistern und ihren Scheffern entschieden. Welche Lokalitäten genutzt wurden, ist den Aufzeichnungen im Bürgerbuch nicht zu entnehmen. Wurde draußen auf freiem Felde entschieden oder im Haus eines Schützenmeisters? Diese Fragen müssen offen bleiben. Man wird von Fall zu Fall entschieden haben. Die Schützenmeister Anton Henrich Pohlmann und Christoph Halle sowie die Scheffer entschieden am 5. Juni 1725 über einen weiteren Fall von Missachtung der Bruchordnung.[176] Die Bürger Knollmann und Mohrmann hatten von ihrem Verwandten, einem Obermehner Müller, zwei Rinder angenommen, um sie auf der Lübbecker Masch weiden zu lassen. Das blieb nicht unbemerkt. Die Schützenmeister wurden in Kenntnis gesetzt, die sich sofort mit den Scheffern auf den Weg ins Bruch machten. Die Rinder wurden eingefangen und dem Lübbecker Pfandstall in Pohlmanns Haus überstellt. Es wurde kurzer Prozess gemacht. Ein Rind wurde öffentlich im Bürgerwall geschlachtet. Das Fleisch wurde dem Armenhaus vor dem Ostertor zugestellt.[177] Das andere Rind wurde beschonet und das Leben geschenket und konnte vom Eigentümer zurückgekauft werden.

 

Auch der Adel blieb von Strafmaßnahmen nicht verschont. Am 14. Mai 1715 erhoben die Scheffer vor dem Stadtgericht Klage gegen Matthias Hilmar v. d. Recke auf Stockhausen.[178] Dieser hatte nach Angabe der Kläger vor drei Jahren ohne Wissen der Schützenmeister Holz aus dem Berge (Wiehengebirge) abfahren und zu seinem Hof auf dem Langen Kamp in Stockhausen transportieren lassen. Vier Wagen mit acht Fuder riegeholtz[179] waren damals beladen worden. Die Fuhrwerke waren von den Scheffern angehalten und eine Eisenkette gepfändet worden. Der Bruchherr Johann Scheffer konnte dem Stadtgericht noch von einem weiteren Fall berichten. Der Herr v. d. der Recke hatte nach Aussage des Johann Scheffer vor zwei Jahren unerlaubt drei Wagen, beladen mit Eichenholz, abfahren lassen. Im Fall der gepfändeten Eisenkette beschwerte sich der Herr v. d. Recke beim Bürgermeister und verlangte die Rückgabe der Eisenkette. Der Bürgermeister zeigte sich jedoch nicht gewillt, dem Ansinnen nachzukommen.

 

Um einem Streit aus dem Weg zu gehen, einigten sich Bürgermeister und Kläger auf ein Ersatzpfand, einen Silberlöffel.[180] Die Kette wurde zurückgegeben und ein Silberlöffel entgegengenommen. Damit war der Streit nicht beendet. Die Affäre wurde diskret aus der Welt geschafft, nachdem der adelige Herr ein Ratsmandat übernommen hatte.[181] Bürgermeister und Ratsherr kamen zu einer, wie auch immer gearteten Einigung. Der Silberlöffel wurde zurückgegeben.

 

Am 13. November 1715 kam es vor dem Stadtgericht zu einem Verfahren gegen Johann Hermann Nunnenkamp.[182] Kläger waren Schützenmeister und Scheffer. Sie hatten Nunnenkamp in der Nähe des Reineberges am Meesenkopf dabei erwischt, wie er zwei junge Eichen fällte. Als er gepfändet werden sollte, wurde Nunnenkamp ausfällig und beleidigte die Lübbecker mit üblen Schimpfwörtern. Das Stadtgericht entschied auf eine milde Strafe. Nunnenkamp wurde zu einer Zahlung von 2 Reichstalern verurteilt, ersatzweise zwei Tage Arrest im hülsenbusch.

 

Die Versorgung der städtischen Haushalte mit Brennholz geschah auf Anweisung der Bruchherren. Jedem Haushalt stand ein bestimmtes Kontingent zu. Der Haushalt eines Vollbürgers erhielt zwei Fuder Riegeholz, das aus dem zugewiesenen Waldteil zu holen war.[183] Die Zuteilung richtete sich nach dem Verzeichnis der Kuhtrift im Bürgerbuch. Wer Hornvieh eintreiben durfte, erhielt auch eine Holzzuteilung. Eigenmächtiges Vorgehen wurde zwar nicht geduldet, war aber nicht immer kontrollierbar. Holzfrevel blieb ein ständiges Ärgernis, zumal den Mietsleuten oder Heuerlingen in der Stadt nichts anderes übrig blieb, als sich selbst zu bedienen. Ihr Vieh weideten sie dort, wo sich eine günstige Gelegenheit bot. Sollten die Ratsdiener Schweine, Pferde, Esel, Ziegen oder Kühe weidend auf dem Kirchhof antreffen, so eine Anweisung der Stadtverwaltung vom 14. März 1701, dann waren die Besitzer in Strafe zu nehmen. Sahen die Ratsdiener, die selbst in ärmlichen Verhältnissen lebten, über das Vergehen hinweg, dann drohte auch ihnen eine Geldstrafe.[184]

 

Viele Holzdiebstähle wurden im Schutze der Nacht ausgeübt. Die Holzdiebstähle häuften sich an Sonn- und Feiertagen, besonders an den hohen Festtagen. Dann konnten die Holzdiebe sicher sein, dass die Aufsicht kaum oder nur nachlässig ausgeübt wurde. Ermahnungen während der Gottesdienste bewirkten so gut wie nichts. Jeder war im Kampf um die eigene Existenz sich selbst der Nächste. Verschwiegenheit der Nachbarn durfte vorausgesetzt werden, denn jeder konnte in eine ähnliche Situation geraten, die das Wohlwollen des Nachbarn voraussetzte.

 

Nicht nur der Eigenbedarf ruinierte den Baumbestand, sondern auch der Verkauf an Fremde. Die unterste Klasse der Tagelöhner, Flickschuster und Flickschneider besserte so den kargen Lohn auf. Die kleinen Waldungen in der nördlichen Bruchzone waren fast völlig ruiniert, als sich die Schützenmeister und Scheffer am 5. Februar 1726 bei der Stadtverwaltung beklagten. In ihrem eingereichten Schriftsatz heißt es: „Da Bekanter maßen die gemeine zur Stadt gehörigen gehöltze, als Haußstette, Richtepatt, Vahrenhorst, Wettlage, Vier Linden und Landwehr, dermaßen schlecht bestellet, daß in solchen wenig gehöltze mehr vorhanden, und wenn so Gott verhüten wolle die Stadt in Brand gerathen solte wie hie bevor geschehen man die Nothdurfft daher nicht mehr nehmen könne.“[185] Es wird auch hier auf den Stadtbrand von 1705 Bezug genommen. Ein Mangel an Bauholz wurde befürchtet.

 

Anno 1770 waren drastische Strafen noch üblich. Eine solche Strafe widerfuhr dem Blasheimer Bauern Niederfeld, der einige Eichen in der Wetlage[186] zwischen Lübbecke und Blasheim gefällt hatte. Er wurde in Lübbecke in arrest genommen. Man hatte ihn also eingesperrt. Zur Strafe musste Niederfeld zwei Tage mit einem hölzernen Joch durch alle Straaßen der Stadt passiren[187], den hämischen Blicken und Zurufen der Passanten ausgesetzt. Damit wurde jedem deutlich vor Augen geführt, welche Strafe bei eigennützigem Handeln drohte. Um das Strafmaß voll zu machen, war dem Delinquenten eine Tafel umgehängt worden, auf der seine Missetat aufgeschrieben war für jeden, der lesen und schreiben konnte. Auch bildliche Darstellungen waren beliebt. Außerdem gehörte zu dieser Art öffentlicher Zurschaustellung der städtische Ausrufer, der lauthals die Schandtat verkündete und die Zuschauer ermahnte, sich eines ordentlichen christlichen Lebenswandels zu befleißigen.

 

Trotz der Aufsicht durch Schützenmeister und Scheffer waren die Waldungen vor unerlaubtem Holzschlag nicht sicher. Auf Anordnung des Magistrats vom 18. November 1797 hatten sich Schützenmeister und Scheffer von Sonntag bis Mittwoch als Kontrolleure an den Stadttoren einzufinden[188], um den Holzdieben auf die Schliche zu kommen, denn das Holz musste wohl oder übel in die Stadt geschafft werden. Die restlichen Dienste an den Stadttoren in der zweiten Wochenhälfte waren den Viertelherren[189] zugewiesen worden. Einem gefassten Holzdieb wurde nicht nur das Holz abgenommen, sondern auch das Arbeitsgerät. Das konfiszierte Holz wurde dem Armenhaus zur Verfügung gestellt, das Arbeitsgerät wurde zum städtischen Pfandstall genommen und später öffentlich versteigert.

 

Schützenmeister, Schützen und Vierziger.

 

Die Vierziger[190] oder Viertelherren vertraten die Bürgerschaft. Sie gehörten zu einem Personenkreis, der sich auf die vier Viertel der Stadt verteilte. Jedes Viertel stellte 10 Männer, aus denen die Bruchherren, die beiden Schützenmeister und ihre Scheffer, hervorgingen. Ihre Versammlungen fanden auf dem genannten Bürgerwall, auch Schützenwall genannt, statt. Ratsherren, ob adelig oder bürgerlich, waren hier nicht erwünscht. Der Wall war auch öffentlicher Treffpunkt der Vierziger, um hier im Bürgerwall ratsunabhängige Entscheidungen treffen zu können, die dann von den Schützenmeistern dem Rat vorgetragen wurden. Der räumliche Abstand vom Rathaus entsprach dem Selbstverständnis der Vierziger und der Bruchherren. Man wollte unter sich sein. Gefasste Beschlüsse unterlagen der Schweigepflicht. Mittler zwischen Stadtrat und Vierziger waren die Schützenmeister, die bei allen offiziellen Angelegenheiten im Rathaus präsent waren. Sie übermittelten der Verwaltung die Wünsche und Beschlüsse der Vierziger. Die Aufnahme in den Kreis der Vierziger fand nicht im Rathaus, sondern in der Wohnung eines der Schützenmeister statt. So trafen sich am 9. Juni 1772 Männer aus den Reihen der Vierziger im Hause des Schützenmeisters Dietrich Anton Pohlmann, um neue Männer in ihrem Kreis aufzunehmen, „nachdem denen unterschriebenen Burgern der gewonliche Eyd vorgelesen, haben sich selbige nach alten loblichen gebrauch eigenhandig unterschrieben.“[191] Damit bestand die Verpflichtung, „ daß wir uns in unßern freien Schützen-Walle vereinbart haben alles was wir reden wenn wir beyeinander sind nicht von unß oder aus unßern Munde zu kommen laßen als wir ehrliche Bürger sindt.“[192] Absolute Schweige- und Präsenzpflicht waren eingefordert.

 

Es gehörte zu den städtischen Gepflogenheiten, dass sich die Bürger am letzten Pfingsttag[193] auf dem Bürgerwall am Klingelbrink zusammenfanden, um die Abdankung der derzeitigen Schützenmeister und Scheffer entgegenzunehmen. Vom Rat erhielten sie die Aufforderung, „bis zur bevorstehenden neuen wahl ihr ambt ferner fleißig [zu] besorgen“.[194] Vor Ablauf der zweijährigen Amtszeit erschienen die Schützenmeister im Rathaus, um das neue Schießen anzukündigen und um ihre Entlassung aus dem städtischen Dienst zu bitten. Wenige Tage später erschienen nach dem Schießen die neuen Schützenmeister und ihre Scheffer im Rathaus, um sich vorzustellen und um Amtshilfe zu bitten. Dazu heißt es im Protokoll vom 5. Juli 1729: „Es wird Magistratus nicht ermangeln denen neuen Schützenmeister und Scheffer in allen billigen undt rechtmäßigen Sachen hülffliche handt zu reichen, undt befiehlt ihnen hiemit vor der Stadt Nutzen und Gerechtsahme überall fleißig und wachsam sich zu bezeigen.“[195] Die Schützenmeister waren von bürgerlichen Lasten wie Hand- und Spanndiensten, Besteuerung und Einquartierung befreit. Außerdem erhielten sie einen Geldbetrag, um Musik und Festzelt bezahlen zu können.[196]

 

Die Schützenmeister waren auch den Vierzigern Rechenschaft schuldig. Eingeleitete Maßnahmen mussten dargelegt und erklärt werden, so am 3. Oktober 1765, nachdem Schützenmeister Mencke in der Wetlage eine Hecke hatte ausroden lassen.[197] Die Vierziger wurden auch bei der Ernennung der Offiziere der beiden Schützenkompanien befragt. Ihre Zustimmung gehörte zum Reglement.[198]

 

Wer den Schützenfesten fernblieb, hatte sich vor den Schützenmeistern und ihren Scheffern zu verantworten. Bei den Befragungen kam es zu den seltsamsten Ausflüchten der Beschuldigten. Am 23. Juli 1723 war Johann v. Sode vor das Gremium zitiert worden. Auf die Frage, warum er nicht erschienen sei, antwortete er, seine Frau habe sich in Pyrmont aufgehalten und das Haus nicht verwalten können, so dass er selbst die Aufsicht habe übernehmen müssen. Dem Gesinde habe er nicht vertrauen können, zumal Bier auf der Deele gestanden habe. Sode gibt sich damit als Bierbrauer zu erkennen[199] und auch als Bäcker[200]. Beide Tätigkeiten wurden gewöhnlich zusammen ausgeübt.

 

Als Hermann Henrich Pohlmann am 23. Juli 1723 befragt wurde, gab er zur Entschuldigung an, er besitze zwei Häuser und habe sich deshalb nicht entscheiden können, welcher Fahne er habe folgen sollen.

 

Auch Buchbinder Cruel war zum selben Termin vorgeladen und befragt worden. Er gab an, geschäftlich in Minden gewesen zu sein. Er sei am Donnerstag, dem Tag des Schützenfestes, früh in Minden aufgebrochen, sei aber überfallen worden und so verhindert gewesen, am Schützenschießen teilzunehmen. Schützenmeister und Scheffer hielten die jeweilige excusation für irrelevant und behielten sich eine Bestrafung vor.[201]

 

Beim Vogelschießen, auch Schützenschießen genannt, war Präsenzpflicht angesagt. Wer seiner Pflicht nicht nachkam, musste mit empfindlichen Strafen rechnen. So erging es Konrad Bode, der im Sommer 1717 das Schießen versäumt hatte. Zu seiner Entschuldigung gab er wenig glaubwürdig an, den Termin nicht genau gekannt zu haben. Schützenmeister und Scheffer pfändeten im Hause Bode zur Strafe einen Kupferkessel. Bode wollte die Pfändung nicht hinnehmen und erstattete beim Stadtgericht Anzeige. Der Fall wurde am 21. September 1717 verhandelt.[202] Bode beklagte das Vorgehen der Scheffer, die sich den Kessel gewaltsam angeeignet hatten. Frau Bode war nicht bereit gewesen, den Kessel freiwillig herzugeben. Es war zu einem Handgemenge gekommen, wobei einige Finger der Frau eingeklemmt wurden. Außerdem war sie zurückgestoßen und mit üblen Schimpfwörtern überschüttet worden. Bode empörte besonders, dass die Scheffer keine Rücksicht auf den Zustand seiner Frau genommen hatten. Frau Bode war zur Tatzeit schwanger gewesen. Ihr Mann forderte die Bestrafung von Schützenmeister und Scheffer. Nach dem Protokoll zu urteilen, waren weder Schützenmeister noch Scheffer zur Verhandlung im Rathaus erschienen. Eine Frist von vierzehn Tagen wurde angesetzt. Wie der Fall letztlich entschieden wurde, ist den nachfolgenden Protokollen nicht zu entnehmen.

 

Wer sich den Regeln widersetzte, musste mit drakonischen Strafen rechnen. So beschlossen die Vierziger samt Schützenmeistern, Scheffern und „Capitaine[203] der Schützen“ am 20. Juli 1723, nachdem es beim Schützenfest zu Widersetzlichkeiten gekommen war, folgende Regelungen[204]:

 

Wer die Regeln nicht beachtet, dessen Name wird im Bürgerbuch gelöscht.

 

Regelbrecher werden bei besonderen Anlässen nicht mehr angefordert.

 

Mit ihnen wird keine bürgerliche Gemeinschaft gehalten.

 

Sie dürfen keine Ehrenämter bekleiden.

 

Im Todesfall wird die Trauerfolge verweigert.

 

Er wird als abgefallener Bürger angesehen.

 

Ausnahmen sollten nur gelten, wenn der Betroffene eidlich darlegen konnte, dass er nicht vorsätzlich gehandelt hatte.

 

Es war Pflicht, bei einem Todesfall unter den Vierzigern, wozu auch Schützenmeister und Scheffer gehörten, Trauerfolge zu leisten. Es gehörte sich auch nicht, sich vor dem Ende der Trauerfeierlichkeiten zu entfernen. War jemand ernstlich verhindert, dann war ein Ersatzmann zu stellen. Wer mutwillig der Feier fernblieb, war gehalten, einen Henkelmann Bier zu spendieren. Es galt der Grundsatz: Die Union der Vierziger mit den Schützenmeistern und den Scheffern durfte nicht gestört werden. Sie war vielmehr steif und fest einzuhalten.[205]

 

 

 

Bruchherren, Vierziger und das Stadtregiment

 

Die Rivalität zwischen Rat und Verwaltung einerseits und den Schützenmeistern, Scheffern[206] und Vierzigern andererseits führte 1706 zu einem offenen Zerwürfnis. Schützenmeister und Scheffer warfen dem Rat Unfähigkeit und Vetternwirtschaft vor. Die Ratswahl im Januar am Dreikönigstag war zu einer Formalität geworden. Der alte Rat war gewöhnlich auch der neue. Die Ratsherren hielten an ihrem Sitz ad dies vitae, bis ans Lebensende, fest, so der Vorwurf. Eine reguläre Wahl hatte schon seit Jahren nicht mehr stattgefunden. Wie beim Adel üblich, die Sitze auf Absprache und nicht nach Wahl zu vergeben, hatte sich diese Sitte auch bei den ratsfähigen bürgerlichen Familien eingebürgert. Ging ein Ratsherr mit dem Tode ab, dann wurde aus seiner Sippschaft ein neues Ratsmitglied nachgeschoben. In ihrer Klageschrift an die Regierung Minden führten Schützenmeister und Scheffer penibel die Verwandtschaftsverhältnisse der bürgerlichen Ratsmitglieder auf und resümierten: „ … der also tractu temporis eingeschlichene perpetuirliche Rath bis anhero zum höchsten Schaden und Nachtheil unserer ohne dem armen Stadt in statu quo geblieben.“ Der Rat, so der Vorwurf, setzte sich immer wieder aus denselben Personen zusammen. Für die Regierung war das Schreiben ein Anlass, die Lübbecker Verhältnisse gründlich zu überprüfen mit dem Ergebnis, dass sich vorerst nichts änderte. Erst die 1727 erlassene Magistratsverfassung setzte die alte Ratsverfassung außer Kraft.

 

Öffentliche, von der Regierung angeordnete Feierlichkeiten demonstrierten Einigkeit zwischen Rat und Bürgerschaft, wie es die Trauerfeierlichkeiten zum Tode des Monarchen Friedrich Wilhelms I. am 30. Juni 1740 zeigten. Vor dem Rathaus formierte sich der Trauerzug, angeführt von der Lehrerschaft und den beiden Predigern Reuter und Böcker. Der nachgeordnete Zug folgte den ständischen Verhältnissen der Zeit. Nach den Predigern folgte der Magistrat, angeführt von Senator Pohlmann mit dem Marschallstab in der Hand. Ihnen schlossen sich der Stadt- und Armenarzt Dr. Pestorff, die Schützenmeister und Bruchherren, die Vertreter der Handwerkerschaft, die Andreas-Bruderschaft[207] und die Vierziger an. Für alle geladenen Teilnehmer war es Pflicht, dunkle Trauerkleidung, schwarze Mäntel und Trauerflore zu tragen. Nach dem Gottesdienst bewegte sich der Zug nach der vorgegebenen Ordnung zurück zum Rathaus, wo der Marschallstab wieder in Verwahr genommen wurde.[208]

 

Am 1. November 1764 trafen sich Schützenmeister und Scheffer sowie die Vierziger mit Vertretern der Verwaltung im Saal des Rathauses, um über die Nachfolge des verstorbenen adeligen Bürgermeisters Wilhelm Christian v. d. Recke zu beraten.[209] Die Wahl fiel auf Christian Ludwig v. Cornberg, Regierungsrat bei der Minden-Ravensbergischen Regierung und Besitzer eines Burgmannshofes in Lübbecke. Im Rathaus wurde eine Delegation zusammengestellt, deren Aufgabe es war, den Herrn v. Cornberg in Minden zu bitten, das Lübbecker Bürgermeisteramt zu übernehmen. Zu den Deputierten, die am folgenden Tag nach Minden reisten, gehörten seitens des Magistrats Senator Holle, Stadtsekretär Ebeling und Ratsdiener Jürgen Köster. Die Bürgerschaft war vertreten durch Schützenmeister Dieter Henrich Pohlmann, Vorsteher Hyronimus Halle aus den Reihen der Vierziger sowie Scheffer Anton Henrich Pohlmann. Auch Bürgerdiener Julius Fründ war geladen.[210] Die Diener waren für den Transport verantwortlich.

 

Regierungsrat v. Cornberg empfing die Lübbecker Delegation und nahm das Angebot an. Im Jahre 1766 wurde v. Cornberg zum Regierungspräsident in Halberstadt, so dass die Lübbecker Bürgermeisterstelle wieder vakant war. Nachfolger wurde Wilhelm v. d. Recke, Sohn des verstorbenen Wilhelm Christian. Er übte das Amt bis zur Abschaffung im Königreich Westfalen aus. Die Amtseinführung des adeligen wie des bürgerlichen Bürgermeisters geschah immer in Anwesenheit der Schützenmeister. Anwesend waren Vertreter aus den Reihen der Scheffer und der Vierziger. Bei solchen Anlässen wurde der Rathaussaal besonders festlich hergerichtet.

 

Die letzten Eintragungen im Bürgerbuch

 

Sie beziehen sich auf den Juni des Jahres 1806, als die Schützen ihre neuen Fahnen präsentierten.[211] Auf den letzten Seiten des Bürgerbuches[212] befinden sich Eintragungen zur Bruchordnung. Es sind Fälle aufgelistet, die nicht in Vergessenheit geraten durften. Dazu gehörten die Beweidung der Flur „Auf dem Richtepatt“ sowie das Säubern und Ausräumen der Aue am Niederbruch. Die nachfolgende „französische Zeit“ im Königreich Westfalen bedeutete das Ende der Vierziger, Schützenmeister und Scheffer. Sie waren wie auch die Schützenfeste selbst durch rigide Verwaltungsreformen nach französischem Muster abgeschafft geworden. Stadtjäger oder Flurschützen traten an ihre Stelle. Für die Schützenmeister war nach den napoleonischen Kriegen kein Platz mehr in der Stadtverwaltung. Sie waren überflüssig geworden und nicht mehr in die Verwaltungsarbeit eingebunden. Ihre vermittelnde Tätigkeit zwischen Verwaltung und Bürgerschaft war nicht mehr gefragt. Übrig blieben die Schützenfeste, die bis zum heutigen Tage gefeiert werden.

 

Ritterschaft und Bürgerwehr

 

Nachdem sich die öffentlichen Aufgaben der Schützenmeister und Scheffer erledigt hatten, geriet ihre Tätigkeit als Bruchherren in Vergessenheit. Bei den heutigen Schützenfesten wird oft betont, dass die Schützenmeister Anführer einer militanten Bürgerwehr waren, die in Kriegszeiten die Stadt mannhaft zu verteidigen wussten. Ein Blick in die Stadtgeschichte zeigt, dass diese Auffassung in dieser Form nicht haltbar ist. Mit der waffentechnischen Entwicklung der Neuzeit Schritt zu halten, war für die Lübbecker Bürgerwehr nicht möglich. Im Dreißigjährigen Krieg zeigte sich, dass das Waffenarsenal der Schützen veraltet war.

 

Das späte Mittelalter war die Zeit der aktiven Teilnahme der Bürgerwehr an militärischen Auseinandersetzungen, die für die Stadtgeschichte von Bedeutung waren. Zahlreiche Fehden des ausgehenden Mittelalters weisen auf die militärische Bedeutung der Stadt im Territorialisierungsprozess hin, aus dem das Fürstbistum Minden[213] hervorging. Maßgeblich beteiligt war die Lübbecker Ritterschaft im Verbund mit der Ministerialität der Mindener Bischöfe. Hilfreich war die bewaffnete Lübbecker Bürgerwehr, jedoch nicht entscheidend.

 

Im 15. Jahrhundert kam der Territorialisierungsprozess in die endgültige Phase. Die Konsolidierung der Landesherrschaft hatte feste Formen angenommen. Gegenspieler der Mindener Bischöfe waren vor allem die Grafen von Tecklenburg, die von Hoya und die Edelherren zur Lippe. Unter dem streitbaren Mindener Bischof Wulbrand von Hallermund (Amtszeit 1406 - 1436), dem ehemaligen Abt der Reichsabtei Corvey, wurde Lübbecke unmittelbar in den Machtkampf um die Landeshoheit hineingezogen. Wulbrand war in seinem Bemühen um die Rückgewinnung verpfändeter mindischer Landesburgen auf die Ritterschaft des Landes, aber auch auf die Bürgerwehren der Städte Minden und Lübbecke angewiesen.[214] Am 29. November 1408 wurde die Burg Wedigenstein, die an die Edelherren zur Lippe verpfändet war, mit Hilfe der Städte Minden und Lübbecke zurückerobert. Das mächtige Belagerungsgeschütz die grote Mette hatte zum Sieg über die Lipper beigetragen.[215] Dieselben Städte sollten nur wenige Jahre später dem Bischof erneut zu Hilfe kommen, als dieser sich anschickte, die Landesburg Reineberg wieder in seine Gewalt zu bringen, nachdem sie über eine Pfandschaft in die Hände der Grafen von Tecklenburg geraten war. Die Burg vor den Toren der Stadt Lübbecke war mit Hilfe der Lübbecker Ritterschaft und der Bürgerwehren von Minden und Lübbecke am 4. Juni 1412 zurückerobert. Bei der Belagerung der Burg war auch die grote Mette zum Einsatz gekommen. Dieses schwergewichtige zentnerschwere Belagerungsgeschütz vor der Burg in Stellung zu bringen, bedurfte einer ungewöhnlichen Kraftanstrengung an Pferdestärke und Manneskraft.

 

 

 

Nach der erfolgreichen Belagerung, die mit dem Sieg über die Tecklenburger endete, schlossen der Mindener Bischof Wulbrand von Hallermund und die Stadt Lübbecke am 9. Juni 1412 (dusent verhundert In dem twelfften Jar des Donredages nha Sunte Bonifatii dage des hilligen martelers) unter Zustimmung des Mindener Domkapitels einen Vertrag, der die mindische Landeshoheit über die Burg Reineberg bekräftigte. Da der Vertrag für die Stadt- und Landespolitik von besonderer Wichtigkeit war, wurde er in das Lübbecker Stadtbuch übertragen. Die Abschrift fand ihren Platz nach dem Schwurbrief mit den städtischen Rechtsvorschriften, was die Bedeutung des Vertrages hervorhebt.[216] Er sollte also nicht in Vergessenheit geraten. Dieser Vertrag hatte einen Vorläufer, der zwischen dem Bischof sowie den Städten Minden und Lübbecke am 12. Mai 1412 (in die ascensionis Domini), nur wenige Wochen vor der Eroberung der Burg, abgeschlossen worden war.[217] Darin war festgelegt worden, dass nach einer Wiedereinnahme der Burg Reineberg, also nach einem Sieg über die Tecklenburger, diese nicht versetzt, verkauft, vergeben oder verlehnt werden durfte, es sei denn mit Bewilligung des Mindener Domkapitels sowie der Städte Minden und Lübbecke. Der Bischof garantierte den beiden Städten den landesherrlichen Schutz ihrer Feldmarken. Die Burg sollte, so war es die Absicht der Verbündeten, für immer unter mindischer Hoheit verbleiben, vorausgesetzt, dass Gott und der heilige Peter[218] hülfe, daß sie den Reynenberg gewönnen, und wieder an das Stift Minden brächten.[219] In ähnlicher Form wurden die Bedingungen in den Vertrag vom 9. Juni d. J. übernommen. Die Lübbecker Feldmark erhielt bischöflichen Schutz. Auch die Besetzung der landesherrlichen Verwaltung auf der Burg war von der Zustimmung des Lübbecker und Mindener Stadtrates abhängig. Die beiden Verträge bedeuteten für Minden und Lübbecke eine Verbesserung ihres Einflusses auf die bischöfliche Landespolitik.

 

Die Tecklenburger und ihre Verbündeten wurden im August des folgenden Jahres von der Lübbecker Ritter- und Bürgerschaft verfolgt und besiegt. Hilfe leistete Alhard v. d. Bussche, Drost auf der benachbarten ravensbergischen Landesburg Limberg. Die Lübbecker, vasalli et communitas oppidi in Lubbeke[220], hatten zum entscheidenden Sieg über die Tecklenburger beigetragen, der für die Tecklenburger zu einer kostspieligen Niederlage wurde. 2200 rheinische Gulden mussten den Siegern ausbezahlt werden. Davon wurden 600 Gulden an Bischof Wulbrand weitergeleitet, damit er die bischöfliche Kurie in Lübbecke, den Domhof, wieder einlösen konnte, der an Dietrich Pladise, einen Parteigänger der Tecklenburger, verpfändet gewesen war. Für Pladise gab es keine Auswegmöglichkeit. Die Lübbecker hatten ihn gefangen genommen. Der Sieg über die Tecklenburger wurde allen Lübbecker Kirchenbesuchern vor Augen geführt. Das von den Lübbeckern erbeutete Tecklenburger Feldzeichen wurde zum Andenken an den Sieg in der St.-Andreas-Kirche aufgehängt.[221] Die Jahre 1412 und 1413 waren für die Lübbecker besonders erfolgreich. Region und Stadt waren machtpolitisch gestärkt aus den Kämpfen hervorgegangen.

 

Nachdem der Tecklenburger Einfluss zurückgedrängt war, blieben die Edelherrn zur Lippe, Vögte des Klosters Quernheim, eine ständige Bedrohung. Das Kloster lag in Sichtweite der Lübbecker Markenherren und am südlichen Rand der Bruchzone, wo die Schützenmeister und Scheffer Übergriffe mit Pfändungen und Festnahmen ahnden konnten. Durchsetzen konnten sie ihre Ansprüche nur mit Hilfe der Ritterschaft, den eigentlichen Herren der umfangreichen Lübbecker Mark. Mehrfach wurde die Lübbecker Mark durch die Lipper verwüstet.[222] Das Kloster Quernheim verstärkte seine Siedlungstätigkeit – auf Kosten der Lübbecker Mark.[223] Die Edelherren zur Lippe, Vögte des Klosters, hatten die Gelegenheit wahrgenommen, ihre Hausmacht zu stärken. Siedlungsgewinn bedeutete Herrschaftsgewinn. Zahlreiche Überfälle und Kleinkämpfe waren die Folge, in die die Lübbecker Ritter- und Bürgerschaft verstrickt waren. Die Edelherren versuchten sogar, die Lübbecker als Verbündete auf ihre Seite zu ziehen. Letzten Endes waren alle ihre Bemühungen vergeblich. Der Klosterbezirk mit Klosterbauerschaft und Oberbauerschaft verblieb unter mindischer Landeshoheit.[224]

 

In all diesen Kämpfen und Auseinandersetzungen spielten die Bürger nicht die entscheidende Rolle. Das militärische Engagement der Bürger war im Wesentlichen auf die Verteidigung der Stadt reduziert, auf die Besetzung des Mauerringes und die Sicherung der Stadttore. Das offene Feld vor der Stadt gehörte der kampfbereiten Ritterschaft und, falls erforderlich, ihren bürgerlichen Hilfstruppen.

 

Was die Verteidigung der Stadt durch die Bürger angeht, gibt das Stadtbuch Hinweise. In Anwesenheit des Rates unter Vorsitz des adeligen Bürgermeisters Christoph v. Grappendorf wurden am 3. Juni 1608 Musketen, die im Depot am Rathaus lagerten, an die wehrfähigen Bürger verteilt. Eine Verteidigungsübung war offensichtlich angesagt. Im Stadtbuch sind 50 waffenfähige Männer verzeichnet.[225] Bogenschützen sind nicht genannt. Die damaligen Schützenmeister waren Empfänger und nicht Kontrolleure der Waffenausgabe. Sie übten also keine Befehlsgewalt aus. Es ist davon auszugehen, dass auch in militärischen Angelegenheiten die Befehlsgewalt beim Bürgermeister, und zwar beim adeligen Bürgermeister, lag. Es gibt Hinweise auf einen Stadthauptmann, nämlich Peter Coele, der als Bürgermeister und Besitzer eines Burgmannshofes bereits genannt wurde.[226] Ein ständiger Wechsel in der Befehlsgewalt, wenn sie denn bei den alle zwei Jahre wechselnden Schützenmeistern gelegen hätte, wäre, militärisch gesehen, wenig sinnvoll gewesen.

 

Von 18 Rottmeistern ist im Stadtbuch die Rede. Am 3. Februar 1623 nahmen sie Musketen samt Haken, Lunte, Schrotkugeln und Pulver am Rathaus für ihre Rotte in Empfang.[227] Ausrüstungen wie Helm, Brustharnisch, Bein- und Armschienen samt Hellebarde und Streitaxt waren Privatbesitz. Sie gehörten zum Heergewäte, dem Heergerät. Die Ausrüstung mit Waffen wurde als ungeteiltes Erbe an den nächstverwandten und erbberechtigten männlichen Spross weitergegeben. Auch die Positionen der Rottmeister auf dem Festungsring sind im Stadtbuch angegeben. Sie waren demnach festgeschrieben. So war dem Rottmeister Johannes Wlömer samt seiner Rotte der Turm hinter Strohwalds Hof auf der Ostseite der Stadt und oberhalb des Ostertores zugewiesen. Die Schützenmeister werden in diesem Zusammenhang nicht genannt.

 

Eine Rotte unter Führung des Rottmeisters konnte je nach Position aus etwa einem Dutzend Männern bestehen. Davon waren nicht alle voll bewaffnet, wie es die Musketenausgabe zeigt. Auch Hilfskräfte waren erforderlich.

 

Die seit mittelalterlichen Tagen überkommenen Schützenfeste waren Höhepunkte im gesellschaftlichen Leben der Stadt. Beim „Vogelschießen“ traf sich eine Männergesellschaft, um die Geschicklichkeit im Umgang mit Waffen zu zeigen. Es war kein Wettbewerb um eine Führungsposition in der Bürgerwehr. Das eigentliche Schützenfest fand anschließend in der mit frischem Laub herausgeputzten Stadt statt, Laub, das die alten Schützenmeister und Scheffer hatten herbeischaffen lassen.

 

Das Ende der abwehrbereiten Bürgerwehr

 

Am Michaeltag, dem 29. September 1623, wurden die Stadttore einem kaiserlichen Kommando mit 150 Soldaten und 52 Pferden geöffnet. Ohne viel Worte zu verlieren, unterstellte sich die Stadt der kaiserlichen Besatzung, die ihr Hauptquartier im Cornbergschen Hof am Gänsemarkt bezog. Das bürgerliche Leben nahm weiter seinen Lauf. Die Bürgerwehr war jedoch nicht überflüssig geworden, wie es der Angriff eines dänischen Kommandos am Drei-Königs-Abend 1625, dem 5. Januar, zeigte. Bürgermeister und Ratsmitglieder weigerten sich, unterstützt von der verbliebenen kaiserlichen Besatzung, den Forderungen der Dänen nach Einlass nachzugeben. Militär und die Bürgerwehr setzten sich zur Wehr. Die Tore blieben geschlossen. Die Dänen mussten abziehen.

 

Die Schmach war nicht vergessen. Während der Pfingsttage 1627 geschah etwas, mit dem niemand gerechnet hatte. Eine dänische Kompanie unter ihrem Obristen Limbach stand vor den Toren, nachdem sie vorher einen Trupp der Kaiserlichen vor der Stadt aufgerieben hatte. Damit fehlte der Stadt zusätzlicher militärischer Schutz. Waffentechnisch waren die Bürger hoffnungslos unterlegen. Die Dänen brachen über das Niedertor in die Stadt ein. Erpressung und Plünderung waren die Folge.

 

Das herkömmlich bürgerliche Waffensystem hatte sich ebenso überlebt wie die militärische Schlagkraft der Burgmannen. Ihre waffentüchtigen Söhne waren inzwischen in die Kriegsdienste der Großmächte getreten. Das Fürstbistum Minden war als Militärmacht unbedeutend geworden. Nach dem für die Dänen erfolgreichen Überfall war Lübbecke zur Selbstverteidigung nicht mehr fähig.[228]

 

Später, nach der Schlacht bei Hess. Oldendorf im Jahre 1633, drohte die in Lübbecke einquartierte kaiserliche Besatzung vor dem Rückzug im November des Jahres 1633 mit dem Abbruch der Stadtmauer.[229] Verhandlungen und das nötige Handgeld sorgten dafür, dass die Kaiserlichen von diesem Vorhaben Abstand nahmen. Die Stadt konnte sich nicht mehr selbst verteidigen, nicht einmal gegen versprengt marodierende Söldner.

 

Streit auf der Stadtmauer

 

Obwohl die Stadtmauer nach dem Überfall der Dänen zu Pfingsten 1627 im militärischen Sinne keinen Schutz mehr bot, war der Wachtdienst auf

 

der Mauer nach wie vor Bürgerpflicht. Mauer und Wachtdienst vermittelten immer noch ein Gefühl des Schutzes und der Sicherheit. Das Wacheschieben auf dem Wehrgang der Mauer war nicht jedermanns Sache. Langeweile kam auf. Ein böses Wort, eine Beleidigung genügten, um Handgreiflichkeiten auszulösen, besonders dann, wenn Alkohol im Spiel war.

 

Ein solcher Fall wurde am 12. März 1629 vor dem Stadtgericht verhandelt. Cord Volmerding hatte gegen Alert Hanenkamp, seinen Rottmeister, Klage wegen Körperverletzung erhoben. Nach Aussage von Volmerding hatte Hanenkamp die Wache auf der Stadtmauer verlassen und sich so doll folgesoffen[230], dass Volmerding ihm nach der Rückkehr Vorhaltungen mit den Worten gemacht hatte, dass es Ihme nicht gebuhre Von der Wacht zu gehen und die Stadtgesellen allein zu laßen. Das war für Hanenkamp Vorwurf genug, um auf Volmerding einzuschlagen. Er habe, wie es im Protokoll heißt, Vom ledder gezogen. Volmerding versuchte, sich zu verteidigen, wurde aber gegen einen Stein gestoßen, fiel zu Boden und wurde unter den Schlägen Hanenkamps so schwer verletzt, dass er wochenlang das Bett hatte hüten müssen. Kläger Volmerding verlangte die Erstattung aller Kosten, die ihm durch Krankheit und Arbeitsausfall entstanden waren, insgesamt wenigstens 50 Reichstaler. Aus Hanenkamps Sicht stellte sich der Vorfall vollkommen anders dar. Er war der Angegriffene und hatte in Notwehr gehandelt. Hanenkamp bat um Abschrift der Anklage und um Zeit, seine Version erneut dem Gericht vortragen zu können.

 

Die Verhandlung wurde am 19. März fortgesetzt. Hanenkamp wies Volmerdings Anklage zurück und erklärte sich für unschuldig, weil er in Notwehr gehandelt habe, was Volmerding bestritt. Die Verhandlung wurde nochmals vertagt.

 

Bei der nächsten Verhandlung am 26. März 1629 bestand Volmerding weiter auf seiner Forderung. Hanenkamp jedoch beharrte darauf, in berechtigter Notwehr gehandelt zu haben, quod vim vi repellere liceat[231], wie es im Protokoll heißt. Das sei er, so Hanenkamp, seinem guten Namen schuldig gewesen. Hanenkamp hatte sich also beleidigt und angegriffen gefühlt und war handgreiflich geworden, was er als sein gutes Recht ansah, wobei er sich auf die beiden Zeugen Cord v. Wullen und Christoff Wempener berief. Wer den Streit provoziert hatte, konnte jedoch nicht festgestellt werden. Aussage stand gegen Aussage.

 

Am 12. November 1626 wurde der Fall erneut verhandelt. Die Tatsache, dass Volmerding uf der wacht jamerlich verwundet worden war, war nicht zu bestreiten. Wie Volmerding aussagte, sei er bereit gewesen, sich mit Hanenkamp zu vergleichen. Dieser habe sich jedoch in Ausreden geflüchtet. Hanenkamp bat das Gericht um einen Terminaufschub von acht Tagen, der auch gewährt wurde. Sollte Hanenkamp dem Termin nicht nachkommen, so das Gericht, würde er vom Verfahren ausgeschlossen. Ein Protokoll zu dem angesagten Termin liegt nicht vor. Der Fall wird ohne weitere Anhörung zu Ende gebracht worden sein. Bei allen Terminen war die Pflichtverletzung Hanenkamps, die Wache verlassen zu haben, unerheblich gewesen. Eine Klage aus den Reihen der Bürgerwehr hatte nicht vorgelegen.

 

Ein ähnlicher Fall, aber mit fatalen Folgen wurde am 17. Juni 1646 vor dem Stadtgericht verhandelt.[232] Kläger war Dietrich (Direk) Töte[233], der während der Mauerwache mit seinem Kameraden Linenwefer[234] in Streit geraten war und ihm ein kräftige Ohrfeige verpasst hatte.[235] Beklagter war Tewes Tyleking, der hinzugekommen war, um mit Hilfe von Jost Klostermann für Linenwefer Partei zu ergreifen. Sie hatten Töte blau und blutig geschlagen. Erschwerend kam hinzu, dass Tyleking den Kläger einen hexen bruer[236] genannt hatte. Die Schläge konnte Töte noch hinnehmen, aber die zutiefst beleidigende Anschuldigung war nicht hinnehmbar, weil sie unabsehbare Folgen haben konnte. Es ging jetzt nicht mehr darum, wer den Streit angefangen hatte und wer Prügel bezogen hatte, sondern darum, ob Töte beschuldigt worden war, ein hexen bruer zu sein. Töte bestand auf einer gerichtlichen Klärung. Tyleking wies alle Schuld von sich.

 

Es wurden weitere Zeugen verhört. Dabei stellte sich heraus, dass Alkohol im Spiel gewesen war. Das wurde in der nachfolgenden Verhandlung am 5. November 1646 bestätigt. Tyleking behauptete, sich nicht erinnern zu können, weil er während des Vorfalles betrunken gewesen sei.[237] Inzwischen war der Fall zu einem Nachbarschaftsstreit geworden, in den sich auch die Frauen der Kontrahenten eingemischt hatten. Der Fall stand am 3. Dezember 1646 erneut vor Gericht.[238] Jetzt war Töte nomine uxorio erschienen. Er vertrat also seine Frau[239], die sich auch beleidigt fühlte. Tewes Tyleking war inzwischen in Haft genommen worden, weil er trotz eindeutiger Beweislage nicht geständig war, die schwer wiegende Beleidigung ausgesprochen zu haben, und auch nicht willens war, sie zurückzunehmen.

 

Tyleking wollte zum Beweis seiner Unschuld sogar die Wasserprobe[240] auf sich nehmen, um so ein Gottesurteil herbei zuführen. Dem Gericht war die Sinnlosigkeit dieses Verfahrens bewusst und lehnte ein Wasserurteil ab. Schließlich war Tyleking während des Vorfalls betrunken gewesen.

 

Der Prozess wurde am 24. Februar 1647 fortgesetzt. Töte bestand weiter auf seiner Forderung. Er verlangte die Rücknahme der Beschuldigung. Das Gericht wollte auf jeden Fall einen langen Prozess vermeiden und wies beide Parteien auf die Kosten und Unwägbarkeiten hin, falls der Prozess fortgesetzt würde, und drängte auf einen gütlichen Vergleich. Tyleking räumte ein, keineß weges aber solches animo injurandi sondern allein ex justo dolore ad retorquendum gehandelt zu haben. Eine Beleidigung war also nicht beabsichtigt gewesen, sondern allein der ihm zugefügte Schmerz hatte ihn gerechterweise zu Gegenwehr getrieben. Er reichte Tötes Frau die Hand zur Versöhnung und sagte, daß Er von Ihr nichts alß ehr Liebes und guteß Zu sagen wüste, auch die Vorigen scheltworte auß Trunckenheit, auch eifer und Zorn geredt. Per Handschlag versöhnte er sich mit ihrem Mann. Auch die Frauen reichten sich die Hände. Das Gericht ermahnte sie, künftig Streit zu vermeiden und gute Nachbarschaft zu halten.

 

[1] Stadtarchiv Lübbecke (zit.: StadtAL), A 891 (zit.: Bürgerbuch), S. 25 ff. Druck: Lorme, Edouard de, Ein

 

Bürgerverzeichnis der Stadt Lübbecke aus dem Jahre 1608. In: Vierteljahresschrift für Heraldik, Sphragistik

 

und Genealogie, 27. Jg., 1914, S. 187 ff. Mit Bruchherren sind hier nur die Scheffer gemeint. Die vorliegende

 

Darstellung ist eine erweiterte Fassung meines Aufsatzes „Bruchherren, Vierziger und das Bürgerbuch der

 

Stadt Lübbecke“. In: 97. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg (zit.: JBHVR),

 

Bielefeld, 2012, S. 99 – 128.

 

[2] StadtAL, A 164, Bl. 1 ff.

 

[3] StadtAL, A 31, Bl. 97´, ebd. 14 Adelshöfe. Vgl. Anm. 56.

 

[4] Heute im Stadtarchiv Lübbecke.

 

[5] StadtAL, Bürgerbuch, S. 250.

 

[6] StadtAL, A 31, Bl. 292. Gemeint sind die Schützenmeister.

 

[7] StadtAL, Bürgerbuch, S. 268.

 

[8] Ebd.

 

[9] Ebd., S. 251.

 

[10] StadtAL, A 889 (zit.:Stadtbuch), S. 102 ff. u. 605 ff.

 

[11] StadtAL, Bürgerbuch, S. 57 f.

 

[12] Ebd., S.258 und 262.

 

[13] Friedrich-Wilhelm Hemann. In: Beiträge zur westfälischen Stadtgeschichte, Warendorf 1992, S. 105 ff.

 

[14] StadtAL, A 31, Bl. 30´ u. 292.

 

[15] Das Stift war 1274 in Ahlden a. d. Aller gegründet worden. Zur Verlegung des Stiftes Helmut Hüffmann, Das

 

Kanonikerstift St. Andreas in Lübbecke und die Grafen von Wölpe. In: Heimatgeschichtliche Beiträge

 

aus dem Kreis Lübbecke, Lübbecke 1969.

 

[16] StadtAL, A 31, Bl. 88 ff.

 

[17] Die Bezeichnung Bruchherren wird gelegentlich, aber nicht immer auf die Scheffer bezogen. In vorliegender

 

Darrstellung sind Scheffer und Schützenmeister unter der Bezeichnung „Bruchherren“ erfasst.

 

[18] StadtAL, Kartensammlung, Nr. 500, Flur 17 und 22., ebd. Kuhbrücke am Osterbruch, s. auch Karten

 

Nr. 35 u. 316.

 

[19] Heute Schlachterei Wölfing.

 

[20] StadtAL,Bürgerbuch, S. 302.

 

[21] Ebd.. , S.303. Stadtbuch, S. 612. Heute Fotostudio Babilon.

 

[22] StadtAL, A 35, Bl. 15. Zusammengefasst ein Gebiet von rd. 18 qkm.

 

[23] Helmut Hüffmann, Die Magistrats- und Bürgerjagd der Stadt Lübbecke. In: 80. JBHVR (Jg. 1992/93), S. 45 –

 

61.

 

[24] Klagen der Stadt an den Landesherren mit Bitten um Schutz. StadtAL, A 37 passim.

 

[25] Helmut Hüffmann, Studien zur Lübbecker Mark. In: 63. JBHVR (Jg. 1962/63), S. 105 – 120.

 

[26] Helmut Hüffmann, Die „Hansmühle“. In: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Minden 1986

 

(Jg. 58), S. 145 – 147.

 

[27] Ders., Eine Beschreibung der Stadt Lübbecke nach den Berichten ihres Stadtsekretärs Consbruch. In:

 

Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, 1986 (Jg. 58 der Mindener Heimatblätter), S. 145 - 148.

 

[28] StadtAL, Bürgerbuch, S. 58.

 

[29] Die Weingärten haben nichts mit Weinanbau zu tun, wie immer wieder behauptet wird. Es waren die

 

beweinkauften Gärten, die einen Gewinn (gewein) einbrachten, an dem die Kämmerei mit einem zu

 

entrichtenden Geldbetrag partizipierte. Mit andern Worten: Es handelte sich um Pachtgärten der Stadt.

 

[30] Peter Florenz Weddigen, Westphälisches Magazin zur Geographie, Historie und Statistik, Minden 1784, S. 18.

 

[31] Die Trennung ist heute noch präsent. Es gibt zwei Schützenkönige, einen für die geraden und einen für

 

die ungeraden Hausnummern.

 

[32] StadtAL, Bürgerbuch, S. 297 passim.

 

[33] Ebd., S. 294 ff. Kapitain auch als Hauptmann aufgeführt.

 

[34] StadtAL, B 287, Bl. 25 f.

 

[35] StadtAL, Bürgerbuch, S. 43.

 

[36] Ebd., mattblau, abgeleitet vom französischen bleumourant (17. Jh.).

 

[37] StadtAL, Bürgerbuch, S. 43 f.

 

[38] Ebd., S. 44.

 

[39] Ebd., S. 48.

 

[40] Ebd.

 

[41] Ebd.

 

[42] Ebd., S. 53.

 

[43] Eine Art Hellebarde.

 

[44] StadtAL, Bürgerbuch, S. 267.

 

[45] Ebd., S.311.

 

[46] Gemeint ist die Wallanlage vom Klingelbrink bis zur Tappernat, dem heutigen Standort der Volksbank..

 

[47] StadtAL, Stadtchronik 19. Jh., S. 58. Im Bereich Wiehenweg.

 

[48] StadtAL, A 116, Bl. 92.

 

[49] Ebd., Bl. 10´.

 

[50] StadtAL, A 504, Bl. 41 f., s. Anm. 172, ebd. Angabe zu Pfandstall.

 

[51] StadtAL, Bürgerbuch, S. 107.

 

[52] Ebd., S. 41.

 

[53] Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abtl.Münster, Urkunden Recke-Obernfelde, Nr. 218 II vom 23. April

 

1627.

 

[54] Der Westrup´sche Burgmannshof lag vor der östlichen Einfahrt in die Lange Straße. Der Haddewig´sche Hof

 

lag nördlich zum Westrup´schen Hof und hatte die Zufahrt von der Bäckerstraße.

 

[55] Es handelt sich hier um Vorläufer der Hausnummern. Die Häuser wurden bei Auseinandersetzungen nach

 

Stadtvierteln, Straßennamen, Besitzern und Vorbesitzern identifiziert.

 

[56] StadtAL, A 32, Bl. 47. Ebd. werden für die Zeit um 1700 vierzehn Höfe genannt. In dieser Aufstellung

 

wurde der Hof Linckmeyer , identisch mit dem späteren Posthof, hinzugefügt. Karl Adolf von der Horst, Die

 

Rittersitze der Grafschaft Ravensberg und des Fürstentums Minden, Berlin1894. Nachtrag, Lübbecke 1898,

 

S. 103, hält ihn fälschlich für den Gogrevenhof. Vgl. Helmut Hüffmann, Zur Geschichte des „Gogrevenhofes

 

In Lübbecke. In: Der Minden-Ravensberger, 1994, S. 80 f. Der Hof Linckmeyer, StadtAL, A 475, Bl. 405´,

 

war 1746 feuerversichert mit dem Wohnhaus, dem neuen Haus und dem kleinen Backhaus.

 

[57] Heute Pfarrstraße 3, Gemeindebüro der Ev.-Luth. Kirchengemeinde.

 

[58] Karl Adolf von der Horst, wie Anm. 56, S. 140 und S. 99 im Nachtrag. Ebd. nur genaue Angaben zur Familie

 

Finke.

 

[59] StadtAL, Bürgerbuch, S. 40; A 128, Bl. 394.

 

[60] StadtAL, A 195, Bl. 29 ff.

 

[61] StadtAL, A 31, Bl. 97´.

 

[62] StadtAL, A 32, Bl. 44´ und 47.

 

[63] Wie Anm. 60, Bl. 236´.

 

[64] StadtAL, A 622, Bl. 51´.

 

[65] StadtAL, Stadtbuch, S, 224, 269.

 

[66] StadtAL, A 31, Bl. 97´. Die Höhe der Eintriebsrechte bestimmte die Größe des Anteiles bei der späteren

 

Bergteilung im 18. Jahrhundert.

 

[67] StadtAL, Stadtbuch, S. 229 passim.

 

[68] Ebd., S. 255. Hier entstand nach dem Zweiten Weltkrieg die Flüchtlingsstadt Espelkamp.

 

[69] Weiderecht, Holzschlag und Pfändung.

 

[70] Heutiger Schreibweise angeglichen.

 

[71] Karl Adolf von der Horst, wie Anm. 56, S. 140. Nachtrag, S. 100, s. Vieselmeyer.

 

[72] Stadtbuch, S. 230.

 

[73] StadtAL, A 118, Bl. 13.

 

[74] StadtAL, A 179, Bl. 12´ passim.

 

[75] Gemeint sind Linsen.

 

[76] StadtAl, A 116, Bl. 14.

 

[77] StadtAL, A 155, Bl. 38 und 43.

 

[78] StadtAL, Kartensammlung, 500, Flur 16.

 

[79] StadtAL, A 116, Bl. 39.

 

[80] StadtAL, A 569, Bl. 48.

 

[81] StadtAL, Stadtbuch, S. 158 u. 212. Die Ortsbezeichnung wiederholt sich vielerorts wie Ovelgönne bei

 

Buxtehude, Gemeinde Ovelgönne in der Wesermarsch oder Haus Ovelgönne bei Bad Oeynhausen. Die Orte

 

liegen immer in feuchten Niederungen an Gewässern. Der alte jüdische Friedhof liegt heute am nördlichen

 

Rand des Lübbecker Industriegebietes westlich der Rahdener Straße an der „Feldmark“.

 

[82] StadtAL. A 570, Bl. 3´passim

 

[83] Ebd., Bl. 52.

 

[84] Helmut Hüffmann, Eine Beschreibung der Stadt Lübbecke nach den Berichten ihres Stadtsekretärs Consbruch.

 

In: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, 1987 (58. Jg.), S. 142.

 

[85] StadtAL, Bürgerbuch, S. 150. Auf 1 Reichstaler entfielen 36 Mariengroschen.

 

[86] StadtAL, A 128 passim u. A 165 passim.

 

[87] StadtAL, Bürgerbuch, S.152.

 

[88] Ebd., S. 188. Ebd. Toyte. Die Schreibweise des Familiennamens wurde der heutigen Schreibweise angepasst.

 

Es handelt sich um eine alteingesessene Familie.

 

[89] Ebd., S. 187.

 

[90] Ebd., S. 193.

 

[91] Helmut Hüffmann, Bürgergeld und Bürgeraufnahme in Lübbecke. In: Mindener Beiträge 20, Minden 1983,

 

S. 269 ff.

 

[92] StadtAL, A 31, Bl. 16´.

 

[93] Im preußischen Behördendeutsch auch Eintrittsgeld genannt.

 

[94] StadtAL, Bürgerbuch, S.191.

 

[95] StadtAL, A 31, Bl. 191.

 

[96] StadtAL, A 116, Bl. 12 ff.

 

[97] StadtAL, Bürgerbuch, S. 110.

 

[98] Nicht zu verwechseln mit der adeligen Familie von Westrup.

 

[99] StadtAL, A 80, Schuldbuch der Stadt Lübbecke, S. 276 ff.

 

[100] Ebd., S. 285.

 

[101] StadtAL,Bürgerbuch, S. 146.

 

[102] StadtAL, A 31, Bl. 236.

 

[103] StadtAL, Bürgerbuch, S. 285.

 

[104] Ebd., S. 285 ff.

 

[105] StadtAL, A 30, Bl. 183.

 

[106] Plattdeutsch: Wannewup Gemeint sind Maulwurfshaufen.

 

[107] StadtAL, A 37, Bl. 322´.

 

[108] StadtAL, A 34.

 

[109] StadtAL, Bürgerbuch, S. 59. A 28, Bl. 101´.

 

[110] Ebd., S. 112. Ellern niederdeutsch für Erlen.

 

[111] StadtAL, Stadtbuch, S. 252.

 

[112] Ebd., S. 253 f.

 

[113] StadtAL,Stadtbuch, S. 102 ff.

 

[114] StadtAL, Bürgerbuch, S. 259 ff.

 

[115] StadtAL, A 475, Bl. 89´ f.

 

[116] StadtAL, A 31, Bl. 86.

 

[117] Ebd., Bl. 225´ f.

 

[118] StadtAL, A 473. Wurde in jüngster Zeit zum Kaufhaus Deerberg genommen.

 

[119] StadtAL, A 473. Helmut Hüffmann, Häuser, Menschen, Schicksale. Aus der Lübbecker Stadtgeschichte,

 

Erfurt 2011, S. 40 ff.

 

[120] Heute Altes Amtsgericht.

 

[121] StadtAL, A 31, Bl. 319´ f.

 

[122] StadtAL, Bürgerbuch, S. 258.

 

[123] Ebd., S. 258 f.

 

[124] StadtAL, Stadtbuch, S. 610.

 

[125] StadtAL, Bürgerbuch, S. 235. Bürgerkamp am Schweinegarten, s. Kartensammlung 500, Flur 5, westlich

 

Rahdener Straße unterhalb Eichtelgen.

 

[126] StadtAL, Bürgerbuch, S. 241. Schlacht bei Minden am 1. August 1759.

 

[127] StadtAL, Stadtbuch, S. 309.

 

[128] Hieraus leiten sich auch die sogenannten „Pottgärten“ ab.

 

[129] StadtAL, Bürgerbuch, S. 243. Örtlichkeit nicht genannt.

 

[130] Ebd., S. 275.

 

[131] Ebd.

 

[132] StadtAL, Kartensammlung 500, Flur 16.

 

[133] Wie Anm. 129, S. 257. Ein Scheffel (Hohlmaß) entspricht etwa 28,70 Liter.

 

[134] StadtAL, A 32, Bl. 2´ u. 9.

 

[135] StadtAL, A 31, Bl. 114´.

 

[136] Abzuleiten vom lateinischen „cingulum“.

 

[137] StadtAL, A 31, Bl. 115.

 

[138] Ebd., Bl. 116´.

 

[139] Helmut Hüffmann, Die St.-Andreas-Kirche in Lübbecke. Zur Geschichte der Gemeinde und des Stiftes,

 

Lübbecke 1990, S. 119.

 

[140] Vgl. Anm. 101.

 

[141] StadtAL, A 440, Bl. 8 ff.

 

[142] Goldmünze. Benannt nach der Münzprägung in Florenz. Bekannt auch als Gulden.

 

[143] StadtAL, A 31, Bl. 197´.

 

[144] StadtAL, B 287, Bl. 154´.

 

[145] StadtAL, A 440.

 

[146] Gemeint sind die Ämter der Handwerker, die späteren Innungen.

 

[147] StadtAL, Stadtchronik 19. Jh., S. 245.

 

[148] Die Wahl war am Dreikönigstag. Die erste Sitzung des „sitzenden“ Rates war am 18 Januar.

 

[149] Stadtchronik 19. Jh., S. 245. Ebd. beklagt der Chronist, Bürgermeister Strubberg, die mangelhafte Abschrift

 

durch Übertragungsfehler..

 

[150] Maria Spahn, Das Kollegiatstift St. Andreas zu Lübbecke (Mindener Beiträge 17), Minden 1980, S. 23 f. Die

 

Aufgabe und Verschiebung des Schützenfesttermins kann mit der Reformation zusammenhängen, die das

 

Fronleichnams ablehnte. In diesem Sinne hatte sich auch Luther geäußert.

 

[151] StadtAL, A 31, Bl. 221. Tagesdatum nicht genannt.

 

[152] Hausname der heutigen Schreibweise angepasst.

 

[153] Heute Nordwestecke des Friedhofes an der Blase-Kreuzung. Auch Pferdetränke genannt. StadtAL,

 

Kartensammlung 500, Nr. 316.

 

[154] StadtAL, Bürgerbuch,S. 51.

 

[155] Militärbezeichnung bezieht sich auf den Rang ihres Mannes. Zum Hofbesitz s. Karl Adolf von der Horst, wie

 

Anm. 56, S. 132 f. Nachtrag, S. 85 ff. .

 

[156] Entspricht dem heutigen Burgmannshof am Markt.

 

[157] Festschrift zur Einweihung des neuen Regierungsgebäudes in Minden am 27. Oktober 1906, Bielefeld (1906),

 

S. 10.

 

[158] StadtAL, A 657, Bl. 44.

 

[159] Ebd., Bl. 37.

 

[160] StadtAL, A 657, Bl.44´.

 

[161] StadtAL. Bürgerbuch, S. 252.

 

[162] Ebd., S. 51.

 

[163] Ebd., S. 302.

 

[164] Die letzte noch heute vorhandene Inschrift als Erinnerung an den Brand von 1705 befindet sich auf dem

 

Torbalken am Haus Steinweg 13.

 

[165] StadtAL. A 31, Bl. 295.

 

[166] StadtAL, Bürgerbuch, S. 239.

 

[167] Sie läßt sich heute an folgenden Fixpunkten festmachen: Oberfelder Allee, Bahnhof, Stadthalle,

 

Reineburgstraße.

 

[168] StadtAL,Bürgerbuch, S. 298 f.

 

[169] Ebd., S. 45.

 

[170] Ebd., S. 47.

 

[171] Bauerschaft am Limberg, Pr. Oldendorf.

 

[172] Heute Fielmann - Optiker, Lange Straße 26. StadtAL, Bürgerbuch, S. 49 u. A 475, Bl. 196´: Pohlmann als

 

Wachtmeister bezeichnet.

 

[173] In Goslar aus Harzsilber geprägte Matthias-Münze in Andenken an den Apostel. Kooptation als

 

Apostel strittig.

 

[174] StadtAL, A 31, Bl. 237.

 

[175] Die Bezeichnung hat sich bis zum heutigen Tag als Straßenname erhalten.

 

[176] StadtAL, Bürgerbuch, S. 49.

 

[177] Neuer Standort des Hauses seit 1715

 

[178] StadtAL, A 31, Bl. 195´ ff.

 

[179] Abgängiges Unterholz, Reisig, wurde hauptsächlich zur Anfeuern und zum Räuchern von Schinken und

 

Wurst gebraucht.

 

[180] Ein Silberlöffel als Pfand oder Zahlung war nicht ungebräuchlich. StadtAL, A 155, Bl. 38, A 31, Bl. 127´.

 

[181] StadtAL, A 18, Bl. 104´.

 

[182] StadtAL, A 31, Bl. 207´. Vermutlich kam Nunnenkamp aus Klosterbauerschaft südlich des Wiehengebirges.

 

Die Nunnenkamps auf der Nordseite in Blasheim und Gehlenbeck dürften kaum in Frage kommen, weil der

 

Abtransport durch Lübbecker Stadtgebiet zu riskant war.

 

[183] StadtAL, A 198, Bl. 410´.

 

[184] StadtAL, A 31, Bl. 11.

 

[185] Ebd., Bl. 252´. Es wird Bezug auf den Stadtbrand von 1705 genommen. Die angezeigten Gehölze

 

sind heute noch als Straßennamen bzw. Flurstücke bekannt.

 

[186] Flurbezeichnung entspricht sprachlich dem englischen wet, feucht, nass,

 

[187] StadtAL, Bürgerbuch, S. 58.

 

[188] StadtAL, A 504, Bl. 42 ff.

 

[189] Vgl.. Kap.“Schützenmeister, Schützen und Vierziger“.

 

[190] Biblischer Bezug.

 

[191] StadtAL, Bürgerbuch, S. 284.

 

[192] Ebd., S. 244. A31, Bl. 239´.

 

[193] Gemeint ist der dritte Pfingsttag.

 

[194] StadtAL, A 31, Bl. 237´.

 

[195] Ebd., Bl. 258.

 

[196] StadtAL, B 287, Bl. 16´.

 

[197] StadtAL, Bürgerbuch, S. 255.

 

[198] Ebd., S. 116.

 

[199] StadtAL, A 44, Bl. 136´ ff.

 

[200] StadtAL, A 512, Bl. 134´. Ebd. Zacharias von Sode.

 

[201] StadtAL, A 31, Bl. 244 ff.

 

[202] Ebd., Bl. 220.

 

[203] Gemeint ist der Rang eines Hauptmannes.

 

[204] StadtAL, A 31, Bl. 242´.

 

[205] Ebd., Bl. 240.

 

[206] StadtAL, A 32, Bl. 57 ff.

 

[207] Helmut Hüffmann, Die St.-Andreas-Bruderschaft. In: Lübbecker Kalendergeschichten, Lübbecke 1987.

 

[208] Helmut Hüffmann, Die Erbhuldigung in Minden im Jahre 1740 und die „gravamina“ der Städte Herford,

 

Bielefeld und Lübbecke. In Ravensberger Blätter, 1994, H. 2.

 

[209] StadtAL, A 15. Bl. 90 ff.

 

[210] StadtAL, Bürgerbuch, S. 252.

 

[211] Ebd., S. 311.

 

[212] Ebd., S.486 und 488.

 

[213] Im Umfang vergleichbar mit dem Kreis Minden-Lübbecke.

 

[214] Ernst Albrecht Friedrich Culemann, Dritte Abteilung Mindischer Geschichte 1405 bis 1508, Minden 1747,

 

S. 12.

 

[215] Lippische Regesten III, Nr. 1690.

 

[216] StadtAL, Stadtbuch, S. 23 f.

 

[217] Wie Anm. 214.

 

[218] Petrus, Schutzheiliger des Bistums Minden.

 

[219] Wie Anm. 214.

 

[220] Vasallen (Ritterschaft) und Bürgerschaft von Lübbecke. Die Bischofschroniken des Mittelalters

 

(Mindener Geschichtsquellen I), S. 248 f.

 

[221] Ebd.

 

[222] Lippische Regesten III, Nr. 2382.

 

[223] Die Oberbauerschafter Haupthöfe wie Meier zu Kniendorf, Holzmeier, Meier zu Büschenfeld und zu

 

zu Beendorf gehörten zum Gutsverband des Klosters.

 

[224] Westfälisches Klosterbuch II, S. 269 ff.

 

[225] StadtAL, Stadtbuch, S. 134 f.

 

[226] Landesarchiv Münster, Urkunden Recke-Obernfelde, Nr. 189 a. Anton Gottfried

 

Schlichthaber, Der Mindischen Kirchengeschichte Vierter Theil, Minden 1754, S. 74. Die

 

Angaben zur Bürgermeisterliste ebd. gehen auf den Lübbecker Bürgermeister Brüggemann zurück,

 

einen Zeitgenossen Schlichthabers.

 

[227] StadtAL,Stadtbuch, S. 138 f.

 

[228] Helmut Hüffmann, Der dänische Überfall auf die Stadt Lübbecke im Jahre 1627 und die Grappendorfschen

 

Forderungen. In: 89. Jahresberich des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, Jg. 2004, S. 113 –

 

135.

 

[229] StadtAL, Stadtbuch, S. 108.

 

[230] StadtAL, A 128, Bl. 48.

 

[231] Römischer Rechtsgrundsatz. Gewalt darf durch Gewalt abgewendet werden.

 

[232] StadtAL, A 128, Bl. 380`.

 

[233] Schreibweise angepasst. Wie Anm. 88.

 

[234] Leinenweber.

 

[235] Ebd. heißt es an den halß geschlagen. Das ist nicht wörtlich gemeint. Heute noch sprachlich üblich in dem

 

Ausdruck einen an den Hals kriegen.

 

[236] Brauer eines Hexentranks.

 

[237] StadtAL, A 128, Bl. 388´.

 

[238] Ebd., Bl. 389´.

 

[239] Frauen waren zu dieser Zeit nicht voll gerichtsfähig.

 

[240] Das Eintauchen wurde im Stadtgraben vollzogen. Heute etwa an der Stelle, wo der Stadtgraben an der Franz-

 

Welschof-Straße geöffnet ist. Blieb der Beschuldigte unter Wasser, dann war er unschuldig,

 

weil ihn das reine Wasser behalten hatte. Anderenfalls war er schuldig. Bekannt war die Wasserprobe bei

 

Hexenprozessen.